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36 Jahre Konkret CD

36 Jahre Konkret CD


Heft 05 2008

von konkret

   Freier Markt

Ein Nachtrag zu Gremlizas Express 4/08 (Wahlwerbung für die Hamburger FDP):

"Sehr geehrte Damen und Herren, im Wahlkampf zur Hamburger Bürgerschaft habe ich einen von Ihnen versandten und von den Damen und Herren Rohwedder, du Mont, Henkel und Schulte-Hillen unterzeichneten Brief an meine Privatadresse erhalten. Da diese Adresse in allgemein zugänglichen Unterlagen (wie Telefonbüchern etc.) nicht aufgeführt ist, fordere ich Sie auf, mir auf diesem Weg Auskunft zu erteilen, wie Sie an meine Anschrift gekommen sind. Sollte Ihre Auskunft nicht bis Mittwoch, den 26. März, bei mir eintreffen, werde ich rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Hermann L. Gremliza"

Die Antwort ließ auf sich warten:

"Sehr geehrter Herr Gremliza, erstmal möchte ich mich für die späte Beantwortung Ihrer Mail entschuldigen. Nun zur Ihrer Frage: Wir haben mehrere Adressen, unter anderem wohl auch Ihre Adresse, im freien Versandhandel käuflich erworben. Es war nicht unsere Absicht, Sie zu verärgern. Wir wollten lediglich noch einmal auf die Wahlen aufmerksam machen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Mit freundlichen Grüßen

Eva Evangelou"

FDP-Landesgeschäftsstelle Hamburg

Was immer Evangelou auf Deutsch heißt (vielleicht: Pampig?) - so billig wie die Partei des freien Versandhandels ist nicht jeder zu haben:

"Sehr geehrte Frau Evangelou, Ihre Antwort ist keine. Da ich zu keiner Zeit irgendwem das Recht eingeräumt habe, meine Adresse kommerziell zu nutzen, der "freie Versandhandel", bei dem Sie die Adresse "käuflich erworben" haben wollen, also rechtswidrig gehandelt hätte, fordere ich Sie auf, mir Namen und Adresse der betreffenden Firma mitzuteilen. Dafür setze ich Ihnen eine letzte Frist: Donnerstag, den 3. April 2008, nach deren Ablauf ich unverzüglich anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen werde.

Hermann L. Gremliza"

Der Rest war Schweigen. Wird es aber wohl nicht bleiben.

   Beware of the Alyens

Der Redakteur hatte es gut gemeint, als er den Satz

"Zu den Protagonisten dieser Linken zählt sich selbst auch Peymann, der sich heute noch zugute hält, als Intendant des Stuttgarter Theaters Selbstverständliches getan, nämlich für die Zahnsanierung von Gudrun Ensslin gespendet zu haben."

aus Tjark Kunstreichs Kolumne "Mutter Blamage" in KONKRET 4/08 in die Form brachte, daß Peymann

"noch heute überzeugt ist, als Intendant des Stuttgarter Theaters nur Selbstverständliches getan zu haben, als er für die Sanierung der Zähne von Gudrun Ensslin spendete."

"Keine große Sache", fand der Autor, "doch der Akzent wird verschoben. Durch die Formulierung könnte der Eindruck entstehen, ich kritisierte Peymann nicht für sein Eigenlob, sondern für seine Spende zugunsten Ensslins." Es lag Kunstreich fern, "in den Chor derer einzufallen, die solche Selbstverständlichkeiten wie eine Spende zum Beleg besonderer Niedertracht erklären". Im Zeitalter der Alyens kann man nicht vorsichtig genug sein.

   Eine Frage des Blickwinkels

Podiumsdiskussion in der Akademie der Künste zum 60. Geburtstag Israels. Thema: "Stiehlt Deutschland sich aus der Verantwortung?" Springers "Berliner Morgenpost" stahl sich erst mal aus der Berichtspflicht, indem sie Teilnehmer der Veranstaltung, die ihr nicht passen, aus dem Programm strich:

"Eine Diskussionsrunde setzte sich mit dem Thema "Stiehlt sich Deutschland aus der Verantwortung? - Israel zwischen Trauma und Terror" auseinander. Auf dem Podium ist unter anderen der Journalist Gideon Levy von der israelischen Tageszeitung "Ha'aretz" sowie der Wissenschaftstheoretiker Yehuda Elkana."

Wen Springer nicht nennen wollte, zählte hinterher die "Tageszeitung" auf:

"Die größte Gefahr für die Zukunft Israels ist das Fortdauern der Besatzung, die seit 1967 das Land prägt, glaubt Gideon Levy. Weil das so ist, erwartet der Leitartikler der linksliberalen israelischen Tageszeitung "Ha'aretz" von der deutschen Politik deutlichere Worte der Kritik an Israel. Levys deutsche Kollegin Caroline Fetscher hält es trotzdem für richtig, daß die Bundeskanzlerin gerade in dieser Rede den Israelis keine guten Ratschläge erteilt hat. Das sei schlichtweg eine Frage des Takts. Fetscher und Levy saßen am Sonntagabend in der Berliner Akademie der Künste mit deutschen Journalisten und dem israelischen Dramatiker Joshua Sobol zusammen ... Hermann Gremliza, der Herausgeber von KONKRET, stellt zu diesem Zweck gleich die pathetische Rede von der Freundschaft in Frage: Zu allen großen Projekten, die diese Freundschaft erst ermöglichten, etwa zu den Verhandlungen über die Wiedergutmachung, hätten die Deutschen von den Vereinigten Staaten erst gezwungen werden müssen. Gremliza glaubt den offiziellen Freunden Israels also kein Wort und sorgt mit der Bemerkung für Heiterkeit, wer eine Woche Deutschlandfunk höre, denke bald, er sei auf der Welle von Radio Ramallah gelandet ... Auch Joshua Sobol ist skeptisch. Er glaubt, daß die beiden Parteien aus eigener Kraft eine Lösung finden müssen. Sobol gehört der kleinen, aber wachsenden Gruppe innerhalb der nicht gerade mächtigen israelischen Linken an, die eine binationale Lösung des Konflikts für die einzig realistische halten."

   Werbeblock

Veranstaltungen: Am 27. April liefert Horst Tomayer, zu Gast bei Fritz Eckenga, "Mitteilungen für interessierte Dorfbewohner" - im Harenberg City-Center in Dortmund, Beginn: 12 Uhr.

Am 2. Mai findet im Hamburger Thalia-Theater ein weiterer Toter Salon statt; Teilnehmer: Gerhard Henschel, Rayk Wieland und Günter Amendt. Letzterer wird - jenseits des 68er Rummels - Auskunft geben über seine Betriebserlebnisse, die ihn von der Spitze der Apo und der "Sexfront" über einen Nebenjob als Bob Dylans Zugbegleiter zur Einmischung in den "Krieg gegen die Drogen" geführt haben.

Rainer Trampert und Thomas Ebermann sind mit ihrem neuen Programm "Bitteres Vergnügen" auf Tournee: am 6. Mai in Koblenz, Circus Maximus, 20 Uhr; am 7. Mai in Bonn, Kult 41, 20 Uhr; am 8. Mai in Mainz (Ort noch nicht bekannt); am 9. Mai in Düsseldorf, Linkes Zentrum Hinterhof, 20 Uhr; am 10. Mai in Leverkusen, AZ Kulturausbesserungswerk, 20 Uhr; am 15. Mai in Hannover, "Elchkeller" (Schneiderberg 50), 19.30 Uhr; am 16. Mai in Marburg, Kulturladen KFZ, 20 Uhr. Wer keinen dieser Termine wahrnehmen kann, auf das "Bittere Vergnügen" aber trotzdem nicht verzichten möchte, kann die Doppel-CD gleichen Titels beim Verlag (oder im Buchhandel) bestellen, die Ebermann/Tramperts neues Programm enthält und die als konkret texte 45 erschienen ist. Sie kostet 15 Euro (bei Verlagsbestellung: plus Porto). ?

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36