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36 Jahre Konkret CD

36 Jahre Konkret CD


Heft 08 2007

von konkret

   "Man muß sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen" (Camus)?

KONKRET-Leser Michael Klein aus München beschwert sich:

"Seit einigen Ausgaben wird über falsche Einträge im Wikipedia-Online-Lexikon berichtet. Statt Artikel zu diesem Thema zu schreiben, könnte KONKRET auch die Produktionsbedingungen des Lexikons zur Kenntnis nehmen und einfach die Fehler beseitigen. Wenn dem Herrn Gremliza beispielsweise der Eintrag zu seiner Person nicht paßt, kann er einfach auf 'Seite bearbeiten' klicken und redigieren. Es steht ja jedem frei, am Lexikon mitzuarbeiten."

KONKRET-Leser Arno Matthias aus Erkrath sieht es, zum wiederholten Male, leider nicht anders:

"Ehrlich, Freunde, Ihr macht Euch zum Gespött der Leute mit Eurer Unfähigkeit, die Arbeitsweise von Wikipedia zu verstehen. Auch wenn es mittlerweile lächerlich ist - einen Versuch mach ich noch: Jede/r kann die Artikel ändern. Wirklich jede/r! Statt ein 'gelogen' hineinzuschmieren, hätte Leser Siegfried Christmann auch einfach den IM-Satz,"

gemeint ist der Wikipedia-Eintrag, Hermann Kant sei Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen,

"entfernen können. Dies habe ich dann gemacht, so wie ich auch die anderen von Kant aufgezählten Fehler ausgebessert habe. Also ehrlich, Freunde, so schwer ist das doch nicht."

Vielleicht nicht schwer, aber lästig genug, um sich solche Ratschläge zu verbitten. Wir verstehen die Arbeitsweise von Wikipedia so gut wie die, sagen wir: von Taschendieben, die uns aber immerhin nicht mit dem Rat abspeisen, unsere Sachen aus ihren Taschen zurückzuklauen, wenn wir denn schon so borniert auf unseren Besitzanspruch pochen. Altmodisch wie wir sind, meinen wir, daß verantwortlich für falsche oder verleumderische Behauptungen deren Verfasser und Verbreiter sind. Die Verantwortung für eine Verleumdung dem Verleumdeten aufzuhalsen, weil er sich nicht zwingen lassen will, an einer Publikation mitzuarbeiten, ist bloß unverschämt. Wohin solche Haltung führt, hat KONKRET-Leser Günter Schuler aus Frankfurt entdeckt:

"Ist der 'Völkische Beobachter' (bzw. Schinken über 'Soldatisches Führertum' von anno 1936) eine reputierliche Quelle? Nach Ansicht einiger Wikipedia-Administratoren schon. Die 'Diskussion' (genauer: die Diskussionsverbote und Benutzersperrungen) findet sich auf dieser Diskussionsseite: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Vermittlungsausschuss/Nazi-Literatur.

Der Militärlobhudelartikel, der den Anlaß gab, befindet sich auf dieser Seite:

http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Wilhelm_von_Dobschütz. Das Ausmaß, in dem die Militariafreaks und Rechten in Wikipedia mittlerweile schon Präsenz errungen haben, ist auch Thema in meinem Buch "Wikipedia inside" (Unrast Verlag), das im Sommer erscheint. Da Wikipedia nur noch auf Kritik von außen reagiert und die KONKRET-Intervention sich immerhin auch im WP-Beitrag zu Hermann Kant positiv niedergeschlagen hat, gebe ich hiermit mal den neuen WP-Fauxpas weiter.

Vielleicht muß noch einmal die gute alte Klassenjustiz bemüht werden.

   Sprungbrett KONKRET (3. Folge):

"Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, wenn der Hans ihn drin hat und die Gretel drinne", dichtet Tomayer, und das gilt auch hier: Geboren 1948 in Pforzheim, Studium der Kommunikationswissenschaften, Politik und Pädagogik, Praktikum bei der Illustrierten "Stern", Magisterexamen, 1979 Umzug nach Hamburg, wohin ihn sein beim "Stern" gewonnener Freund Bissinger als Redenschreiber Bürgermeisters Hans Ulrich Klose geholt hatte, Pressesprecher der Leitstelle für die "Gleichstellung der Frau". Und endlich, 1982, Redakteur bei KONKRET, mit dessen Herausgeber und Nick Barkow er für einen feuchten Nachmittag auf Bissingers Landsitz den kleinsten Abba-Fanclub aller Zeiten und Länder gegründet hatte: Dieter Kosslick.

Obwohl er als Redakteur für Ökologie bei KONKRET so wenig Glück hatte wie die Ökologie selber, muß ihm die anregende Umgebung den entscheidenden Schub fürs weitere Leben gegeben haben: 1983 Geschäftsführer des Hamburger Filmbüros, 1988 Geschäftsführer des Film-Fonds Hamburg, Mitbegründer des European Film Distribution Office, Präsident des Media-Programms der Europäischen Gemeinschaft, 1992 Geschäftsführer der Filmstiftung NRW. Im Jahr 2000 endlich, berufen vom Land Berlin und der Bundesregierung, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Aus dem unglücklichen Redakteur eines staatsfeindlichen Blattes wurde der Träger eines Bundesverdienstkreuzes, des Ordens "Chevalier des Arts et des Lettres", ein "Chevalier dans l'Ordre national de la Légion d'Honneur", ein Gewinner der "Goldenen Leinwand", des "Schwarzkopf-Europa-Preises" der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung für den Europäer des Jahres, des Eckart-Witzigmann- und des Helmut-Käutner-Preises.

   Zerknirschung

Post, betreffend KONKRET 7/07, Seite 54:

"Liebe Marit, lieber Hermann, dieser Tage, wo so viel über Doping geschrieben wird, fiel's mir bei der bürgerlichen Konkurrenz ausgerechnet der "Zeit" auf: Der Tom Linton, von dem ich in KONKRET schrieb, ist Arthur Linton, und er starb nicht 1886, sondern 1896. Ich habe den Fehler schon in meinem Buch aus dem Jahr 2000 gemacht; nun habe ich mich für KONKRET auf die alte Quelle verlassen, dabei kann man den Umstand, daß Tom und Arthur Brüder waren, wirklich in beinah jedem radsporthistorischen Werk nachschlagen.

Sehr zerknirscht,

Euer Martin Krauß"

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36