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36 Jahre Konkret CD

36 Jahre Konkret CD


Heft 01 2005

von konkret

   Aus dem Schriftverkehr der Redaktion 1: Noch immer zahlreich sind die Leser, die glauben, die Welt (und KONKRET) aus einem, aus dem Punkt kurieren zu können. Wie zum Beispiel M. Busold:

"Sehr geehrter Herr Gremlitza (sic!),

nachdem ich mehrere Jahre lang Ihre Zeitschrift gelesen habe, möchte ich Sie persönlich um Antwort auf eine Frage bitten, die ich Ihrem o.g. Artikel leider auch nicht entnehmen konnte. Ist die Jüdische (sic!) Gesellschaft auch ohne ihre religiösen Wurzeln denkbar? Über Ihre persönliche Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

M. Busold"

Die Antwort ist so persönlich wie möglich und so allgemeingültig wie nötig:

"Sehr geehrte(r) M. Busold,

Sie können nicht wissen wollen, was Sie vorgeben, wissen zu wollen. Daß keine Gesellschaft ohne ihre religiösen Wurzeln denkbar ist, also auch die jüdische nicht, versteht sich so sehr von selbst, daß es weder in einer Kolumne noch in einer persönlichen Antwort erklärt zu werden verdient. Was Sie wollen, ist, mich in Verlegenheit bringen: Warum, so fragt es zwischen Ihren Zeilen, kommt in Gremlizas Kritik des Aberglaubens der jüdische nicht vor?

Ich will Ihnen die Gründe nennen, den speziellen und den prinzipiellen: Dem jüdischen Aberglauben, der auf Bekehrung und Verfolgung Ungläubiger verzichtet, fehlt die mörderische Dimension der beiden andern; und außerdem finde ich, daß auch die Nachgeborenen eines nationalen Kollektivs, das nicht nur Synagogen, sondern auch Millionen von deren Besuchern verbrannt hat, in Fragen jüdischen Lebens den Mund halten sollten - wenigsten für einige Zeit, die meinetwegen gern tausend Jahre dauern darf.

Mit freundlichen Grüßen

Hermann L. Gremliza"

Aus dem Schriftverkehr der Redaktion 2: Aus gegebenem Anlaß hatte sich die KONKRET-Redaktion im Oktober an den Intendanten des ZDF, Markus Schächter, gewandt:

"Sehr geehrter Herr Schächter,

bei der Verleihung des diesjährigen Deutschen Fernsehpreises kündigte der ZDF-Moderator Thomas Gottschalk den Historiker Guido Knopp mit den Worten an, er sei einer von "Schächters willigen Helfern".

Wir bitten Sie, uns mitzuteilen, was Sie veranlaßt haben bzw. veranlassen, Fehlleistungen solcher Art künftig zu verhindern, und in welcher Form das ZDF bzw. sein Moderator Thomas Gottschalk sich öffentlich für diese skandalöse Äußerung entschuldigen werden.

Mit freundlichen Grüßen

David Hugendick / KONKRET-Redaktion"

Die Antwort kam zwar nicht prompt, aber sie kam:

"Sehr geehrter Herr Hugendick,

bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom 13. Oktober 2004 möchten wir Ihnen heute mitteilen, daß wir es sehr bedauern, daß die Äußerung von Herrn Gottschalk in der Sendung "Der Deutsche Fernsehpreis" sicherlich von vielen Zuschauern sehr negativ aufgenommen wurde. Ich versichere Ihnen, daß wir hausintern intensiv und kritisch über die ungeplante Bemerkung von Herrn Gottschalk diskutiert haben und der Moderator für die Zukunft sensibilisiert ist.

Sicherlich werden wir in Zukunft darauf stärker achten müssen, daß derartige Äußerungen in unserem Programm nicht wieder stattfinden.

Mit freundlichen Grüßen

Verena Scheidecker"

Frau Scheidecker gehört, wie ihr Briefkopf verrät, der "Event-Redaktion" des ZDF an. Und dort sind solche Fälle ja tatsächlich auch gut aufgehoben.

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36