Sonntag, 1. August 2010
   
Startseite Konkret Hefte Konkret Texte Sonderhefte Konsum Online Konkret Verlag

Das aktuelle Heft



Aboprämie



Studenten-Abo



Streetwear



36 Jahre Konkret CD

36 Jahre Konkret CD


Heft 01 2003

von konkret

   Am 13. August 2002 hatte ein Herr Matthias Kopp im Namen der Deutschen Bischofskonferenz gegen KONKRET Beschwerde beim Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserats über eine Passage aus Gremlizas "Express" (Heft 5/02) eingelegt, die sich mit den Pädophilieskandalen in der Katholischen Kirche der USA beschäftigt hatte:

"In Billy Wilders "Some like it hot" versammelt sich die Bande von Gamaschen-Charly zu einem Bankett als "Freunde der italienischen Oper". Die amerikanischen Freunde des Kinderfickens haben Wilders Spieß herumgedreht. Sie nennen ihre Bande "Katholische Kirche"."

Am 6. Dezember teilt der Presserat der Redaktion seine Entscheidung mit:

"Der Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserates hat sich auf seiner Sitzung am 26.11.2002 mit der o. g. Beschwerde befaßt und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß sie nicht begründet ist. Die Gründe für diese Entscheidung möchte ich Ihnen im Nachfolgenden näher erläutern.

Der Beschwerdeausschuß kam zu dem Ergebnis, daß eine Verletzung der Ziffern 9 und 12 des Pressekodex nicht vorliegt. Nach Meinung des Gremiums handelt es sich um eine Meinungsäußerung mit satirischem Charakter. Diese kann akzeptiert werden, da dem Leser klar wird, daß die Aussage überspitzt ist und keine Schuldzuweisung in Richtung des gesamten Klerus der Katholischen Kirche in den USA darstellt.

Insgesamt lag damit kein Verstoß gegen die Publizistischen Grundsätze des deutschen Presserats vor, so daß der Beschwerdeausschuß die Beschwerde für unbegründet erklärte."

Und das, obwohl die Redaktion jegliche Mitarbeit an diesem schönen Vorgang verweigert hatte; der mehrfachen Aufforderung zur Abgabe einer Stellungnahme kam sie nicht nach.

   Jürgen Elsässer scheidet aus der KONKRET-Redaktion aus. Die Gründe dafür sind sowohl arbeitstechnischer als auch politischer Art; die arbeitstechnischen taugen nicht zu öffentlicher Erörterung, die politischen betrafen Elsässers Versuch, seine eigene politische Neuorientierung gegen den Willen des Herausgebers und der Redaktion sowie auf Kosten anderer KONKRET-Autoren auf die Zeitschrift zu übertragen.

Das Ende von Elsässers Tätigkeit als Redakteur sollte nicht das Ende seiner Tätigkeit für KONKRET bedeuten. Der Verlag hatte ihm einen Vertrag angeboten, der ihn weiterhin als Autor an die Zeitschrift gebunden hätte. Für den Politikteil von KONKRET "verantwortlich", wie die "Junge Welt" meldet, war Elsässer übrigens nicht. Verantwortlicher Redakteur von KONKRET ist seit 1991 Wolfgang Schneider.

Der verschiedentlich erweckte Eindruck, die Kündigung des Vertrages mit Elsässer sei Ausdruck eines "politischen Richtungswechsels" von KONKRET, ist unzutreffend. Was die politische Intention des Verlags betrifft, so findet sie sich Heft für Heft in der Herausgeberkolumne formuliert. Diese hat sich in den letzten Monaten mehrfach, und keineswegs zustimmend, mit einem möglichen Irakkrieg beschäftigt. Daß die im Blatt erscheinenden Beiträge unterschiedlicher Autorinnen und Autoren davon abweichende Meinungen zum Thema vortragen, versteht sich von selbst. Es gibt gute und viele schlechte Argumente gegen einen Krieg, gute und viele schlechte für ihn. Sie werden auch künftig in KONKRET diskutiert.

Jürgen Elsässer bleibt bis 28. Februar 2003 Mitglied der Redaktion, erscheint aber auf eigenen Wunsch nicht mehr im Impressum.

   Besondere Sorgen um die richtige Art, eine linke Zeitschrift zu machen, treibt in Fällen wie dem eben referierten die Redakteure und Autoren von so revolutionären Verlagen wie Springer und Holtzbrinck um. In dessen "Tagesspiegel" trägt die unlängst von Christian Y. Schmidt in KONKRET (4/02) auf ihr Maß gebrachte Journalistin Caroline Fetscher ihre Enttäuschung über "den verblaßten Mythos KONKRET" zu Markte, klagend, die Zeitschrift werde "gelesen von einer ungenannten kleinen Zahl alter Recken". Nun wäre Holtzbrinck gewiß froh, mit der genannten großen Zahl von "Tagesspiegel"- und also Fetscher-Lesern ein ähnlich positives Wirtschaftsergebnis zu erzielen wie KONKRET, noch lieber aber wäre ihm vermutlich, die Leserschaft seiner Zeitung wäre ähnlich jung wie die von KONKRET , das heißt: im Schnitt halb so alt wie Frau Fetscher.

   Knapp 50 Lesungen aus ihrem Buch Sachzwang und Gemüt haben Rainer Trampert und Thomas Ebermann von September bis Mitte Dezember absolviert. Weil der Text jetzt langsam sitzt, stehen sie für Veranstaltungen von Februar bis Mai 2003 zur Verfügung. Anfragen bitte unter Tel.: 040/438 581.

   Horst Tomayer ist wegen eines grippalen Defektes einmalig entschuldigt.

KONKRET Text 50


KONKRET Text 49


Literatur Konkret Nr. 34