Erich Später
Lesung
Am 9. Februar liest Erich Später in Ulm aus seinem Buch Villa Waigner. Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag 1939-45 (konkret texte 50): um 20 Uhr im Haus der Gewerkschaften, Am Weinhof. Aus diesem Anlaß dokumentieren wir hier einen Auszug aus dem Buch, in dem Erich Später den Prozeß der Entrechtung, Enteignung, Deportation und Ermordung der tschechischen Juden schildert Beispielhaft rekonstruiert er die Enteignung und Ermordung des jüdischen Ehepaares Waigner, dessen Prager Villa ein begehrtes Objekt der Begierde hoher Nazifunktionäre wurde. Den Zuschlag für die "Judenvilla" erhielt schließlich der SS-Offizier Hanns Martin Schleyer.
Die Messestr. 19 liegt in unmittelbarer Nähe des Prager Messegeländes, keine 300 Meter vom zentralen Deportationsort der Prager jüdischen Bevölkerung entfernt. Schleyer wohnt mit seiner Frau in unmittelbarer Nähe und kann das Grauen jeden Tag beobachten. Als Angehöriger der SS weiß er, was mit den Menschen geschehen wird. Die Deportationen aus Prag beginnen am 16. Oktober 1941. Bis März 1943 sind es 36.000 Menschen die auf dem Messegelände konzentriert, ausgeplündert und schließlich unter Bewachung zum nahen Bahnhof gebracht werden. Etwa 7.000 werden direkt in Vernichtungslager transportiert , die anderen nach Theresienstadt.
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Stefan Ripplinger
"Warum Israel"
Am 25. Oktober 2009 verhinderte ein Schlägertrupp aus dem Umfeld des "Internationalistischen Zentrums B5" eine Aufführung des Films "Warum Israel" von Claude Lanzmann im Hamburger Kino B-Movie. Dieser Vorfall löste weit über Hamburg hinaus große Empörung aus; die von zahlreichen Einzelpersonen und Institutionen, darunter auch KONKRET, unterzeichnete Erklärung "Es darf keine antisemitische Filmzensur in Hamburg geben" ist unter www.kritikmaximierung.de einsehbar. Eine Besprechung des Films "Warum Israel"schrieb Stefan Ripplinger in KONKRET 8/08.
Das Paradox hat nicht viele Liebhaber. Den meisten ist es zu schwierig, denn es nährt sich von Widersprüchen. Israel ist das Paradox unter den Staaten. Von allem, was über Israel behauptet werden kann, trifft auch das Gegenteil zu: Es ist ein religiöser Staat, aber auch ein säkularer, eine Gemeinschaft der Juden, aber auch das Ende dieser Gemeinschaft, ein normales Land, aber auch das unnormalste der Welt, es ist eine kapitalistische und eine manchmal sozialistische Wirtschaft, eine kriegerische Gesellschaft, aber auch eine versöhnliche und erstaunlich integrative, eine Situation zum Verzweifeln, aber viel häufiger noch eine absurde und komische.
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