Freitag, 10. September 2010
   
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36 Jahre Konkret CD

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Heft 05 2008

Herrschaftszeiten

VIOLENT FEMMES
    5. März, "Welt":
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) will nach einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" in einigen Jahren auch weiblichen Kommandosoldaten einen Platz einräumen. "Es ist unser Ziel, daß wir ein Konzept für die Einbindung von Frauen in Spezialkräften entwickeln - allerdings mit einer deutlich anderen Aufgabe, als unsere männlichen Kommandosoldaten sie derzeit haben", sagte KSK-Kommandeur Hans-Christoph Ammon. "Ich gehe mal davon aus, daß wir in den nächsten fünf, sechs Jahren auch weibliche Kommandosoldaten haben werden." Das sei mit der Führung des Heeres bereits so abgestimmt. Nach den jetzigen Auswahlkriterien sei eine Frau den Aufgaben körperlich nicht gewachsen. "Wir haben aber auch noch keine Aufgabe für Frauen in den Spezialkräften definiert." Die Eliteeinheit wird seit ihrer Gründung 1996 von Nachwuchssorgen geplagt. Die Sollstärke von 400 Kämpfern plus 600 Unterstützungskräften wurde nie erreicht. Derzeit seien nur 200 Posten für Kommandosoldaten besetzt, bestätigte Ammon. Ammon erwartet, daß die Unterbesetzung bis 2012 behoben sein könnte.

DON'T MENTION THE WAR
    10. März, "Die Presse" (Wien):
Der britische Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes hat sich mit öffentlicher Kritik an deutschen Urlaubern, die Sonnenliegen mit Handtüchern reservieren, ein Verfahren eingehandelt. Die britische Kommission für Gleichstellung und Menschenrechte prüfe, ob Äußerungen des Schiffsführers "rassistisch" waren, berichtete die Londoner Zeitung "Daily Telegraph" am Montag. Kapitän Christopher Wells (52) hatte den Angaben zufolge bei einer Karibik-Tour seines Schiffes "Oceana" im Jänner vor Hunderten Passagieren erklärt: "Wir wollen ein solches deutsches Benehmen hier nicht haben!" Der Kapitän der Reederei P&O habe sich für die Lautsprecherdurchsage entschuldigt und dabei unter anderem auf seine Ehe mit einer deutschen Frau verwiesen. Dies habe die britischen Menschenrechtler jedoch nicht von einer Untersuchung abgehalten. Der Ausgang ist noch offen. Eine Reisende berichtete der Zeitung, der Kapitän habe vielen Urlaubern aus dem Herzen gesprochen. Die Unart des Reservierens von Liegen habe an Bord mehrfach Streit ausgelöst. Deshalb habe sich der Kapitän zu der Lautsprecherdurchsage entschlossen. Ein Reedereisprecher erklärte: "Kapitän Wells bedauert es ohne Einschränkung, wenn er jemanden beleidigt haben sollte."

ONE WORLD
    14. März, Reuters:
Der Antisemitismus ist einem Bericht der US-Regierung zufolge weltweit auf dem Vormarsch. Immer mehr Regierungen unterstützten Vorurteile gegen Juden und verkleideten ihren Haß auf sie als Kritik an Israel, hieß es in dem Papier an den US-Kongreß. "Mehr als 60 Jahre nach dem Holocaust ist Antisemitismus nicht nur eine historische Tatsache, sondern ein aktuelles Problem." Der am Donnerstag vorgelegte Bericht stützt sich auf Beobachtungen der US-Botschaften, die eine Zunahme bei Angriffen auf Juden, jüdischen Besitz sowie Einrichtungen gemeldet hätten. Andere Regierungen und Institutionen hätten die Entwicklung gleichfalls festgestellt, hieß es. Das Papier zitiert unter anderem eine Studie der Universität von Tel Aviv. Danach wurden 593 antisemitische Vorfälle im Jahr 2006 registriert. Dies war die höchste Zahl seit sechs Jahren. In 277 Fällen habe es sich um körperliche Angriffe auf Juden gehandelt, 105 Synagogen seien beschädigt worden. Mehr als die Hälfte der Vorfälle ereignete sich demnach in Westeuropa. In einem Pariser Vorort wurde unter anderem ein 23jähriger Jude so schwer mißhandelt, daß er seinen Verletzungen erlag. Im Nahen Osten und in muslimischen Ländern Europas sei der Antisemitismus unter dem Deckmantel der Israel-Kritik weit verbreitet, hieß es in dem Papier weiter. Angebliche Greueltaten oder Menschenrechtsverletzungen würden systematisch übertrieben und der jüdische Staat damit dämonisiert. Diese Entwicklung werde zudem immer wieder durch bestimmte Aktionen im Rahmen der Vereinten Nationen unterstützt.

AUS DER NO-GO-AREA (1)
    18. März, DDP:
Eine 29jährige Vietnamesin ist am vergangenen Freitag Opfer eines fremdenfeindlichen Angriffs im Bahnhof Sangerhausen geworden. Wie die Polizei am Dienstag in Halle mitteilte, wurde die junge Frau aus einer Gruppe von drei unbekannten jungen Männern heraus rassistisch beschimpft und angespuckt. Ein etwa 21- bis 25-jähriger Mann habe die auf der Durchreise befindliche Studentin dann in Richtung eines einfahrenden Zuges gestoßen, getreten und ins Gesicht geschlagen. Das Opfer habe dabei Prellungen erlitten, sich aber selbständig in den Zug in Richtung Nordhausen retten können.

AUS DER NO-GO-AREA (2)
    19. März, "Lausitzer Rundschau":
Das Amtsgericht Cottbus hat eine vierwöchige Einigungsfrist gesetzt, damit Anklagen gegen einen Polizisten und einen Studenten aus Kamerun wegen einer Schlägerei in Cottbus ohne Verhandlung eingestellt werden können. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Polizist den Kameruner rassistisch beschimpft haben, als sie sich in nachts in der Cottbuser Innenstadt über den Weg liefen. Beide hatten sich gegenseitig vorgeworfen, die nächtliche Schlägerei begonnen zu haben, und Anzeige erstattet. Der Polizeibeamte war zur Tatzeit nicht im Dienst und erheblich alkoholisiert. Der Afrikaner war auf dem Heimweg von einem Studentenjob.

EIN DEUTSCHER JURIST
    26. März, "Spiegel Online":
Das Verfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft lautet offiziell auf Beleidigung - hinter dem schlichten Begriff verbergen sich allerdings schwere Vorwürfe. Jurastudent Weiß, zuletzt unter anderem Kreisvorsitzender der Jungen Union und Kreisvorstandsmitglied der CDU Hamburg-Nord, soll einem Bericht der "Bildzeitung" zufolge im Oktober 2007 eine südländisch aussehende Kommilitonin als "Niggerschlampe" beschimpft und "Nichtarier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben. Auf der Website StudiVZ soll er laut "Bildzeitung" Mitglied einer Gruppe namens "Nach Frankreich fahr' ich nur auf Ketten" gewesen sein - eine Anspielung auf den Einmarsch der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

BAD RELIGION (1)
    27. März, "Der Standard" (Wien):
Massenfestnahme bei einem religiösen Fest in Marokko: 21 der homosexuellen Männer, die traditionell bei dieser Gelegenheit ihre Verbindung feiern, müssen nun mit langjährigen Haftstrafen rechnen. Das Fest zu Ehren des Heiligen Sidi Ali Ben Hamdouch im marokkanischen Maghrassiyine endete mit einer Massenfestnahme von Homosexuellen. Die Gendarmerie rückte in das Dorf unweit von Meknes ein und verhaftete 21 Männer. Das alljährlich stattfindende Fest gilt seit jeher als Ort, an dem schwule Paare ihre Verbindung feiern. Bisher wurde dies geduldet. Jetzt wurde die populäre Wallfahrt Opfer der seit Monaten andauernden Schwulenhatz. Den Festgenommenen wird vorgeworfen, gegen den Paragraphen 489 des marokkanischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Dort werden "strafbare und unnatürliche Akte zwischen Individuen gleichen Geschlechts" geahndet, da sie "gegen die guten Sitten und die öffentliche Moral" verstoßen. Den Betroffenen drohen Haftstrafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren sowie eine Geldstrafe. Es ist nicht das erste Mal, daß die Gendarmerie eine Versammlung von Schwulen zerschlägt. Bereits im November wurden in Ksar el-Kebir acht Männer verhaftet. Sie hatten an einer schwulen Hochzeitsparty teilgenommen. ... Nach der Verhaftung stürmten Hunderte Einwohner der von einem islamistischen Bürgermeister regierten Stadt das Lokal und zertrümmerten die Einrichtung. ... Marokko ist kein Ausnahmefall. Die Internationale Lesben- und Schwulenvereinigung (Ilga) beklagt die fehlenden Rechte für Homosexuelle in muslimischen Ländern. Fast überall gebe es harte Gesetze gegen gleichgeschlechtliche Liebe. Weltweit steht auf freiwillige homosexuelle Handlungen zwischen Volljährigen in sieben Ländern - Iran, Mauretanien, Saudi-Arabien, Sudan, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen und den zwölf Nordprovinzen Nigerias - sogar noch die Todesstrafe. Es sind alles muslimische Länder.

"In der deutschen Wirtschaft werden mehr Stellen gestrichen als geschaffen / Glos: Auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung"

Titel und Untertitel des "FAZ"-Aufmachers vom 31. März 2008

BAD RELIGION (2)
    28. März, "Der Standard" (Onlineausgabe):
Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat das Justizwesen des islamischen Königreichs Saudi-Arabien scharf kritisiert. Vor allem der Umgang mit Minderjährigen, die zu Auspeitschungen oder sogar zum Tode verurteilt würden, sei grausam und widerspreche den Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit, hieß es in einem Bericht, den die Organisation am Dienstag in London veröffentlichte. Kinder würden teilweise wegen harmloser "Vergehen" wie "Betteln, Weglaufen von zu Hause oder unerlaubten Zusammenseins mit einem Vertreter des anderen Geschlechts" verurteilt. Im vergangenen Jahr war beispielsweise ein 15 Jahre alter Bursche wegen einer zwei Jahre zuvor begangenen Tat hingerichtet worden. Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahrzehnten auch, daß in Saudi-Arabien Dieben eine Hand abgehackt wird. Oft werden Angeklagte gleichzeitig zu Gefängnisstrafen und Peitschenhieben verurteilt. In Saudi-Arabien gibt es kein Strafgesetzbuch. Die Richter urteilen anhand ihrer eigenen Interpretation des islamischen Rechtes ("Sharia").

AUS DER NO-GO-AREA (3)
    29. März, "Tagesspiegel":
Lichtenberg - Ein 52jähriger Türke, der mit seinem zweijährigen Sohn in der Weitlingstraße unterwegs war, ist am Donnerstag fremdenfeindlich beschimpft und bedroht worden. Er hatte zuvor zwei Männer vor dem S-Bahnhof Lichtenberg angesprochen, weil der Hund des einen zu großzügig an einen Pfeiler angeleint gewesen sei. Die beiden Männer, die sich als Nazis bezeichneten, beschimpften ihn rassistisch. Als sie anfingen, den Vater zu bedrohen, ging ein Taxifahrer dazwischen. Die Polizei nahm einen der beiden Männer, einen 37jährigen, fest. Sein Komplize war mit dem Hund geflüchtet.

AUS DER NO-GO-AREA (4)
    2. April, "Mitteldeutsche Zeitung" (Magdeburg):
Die aus Westdeutschland stammende Pfarrersfamilie Neuschäfer ist wegen anhaltend fremdenfeindlicher Diskriminierung aus der thüringischen Kleinstadt Rudolstadt ins nordrhein-westfälische Erkelenz "geflohen". Das berichtet die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Familie. Miriam Neuschäfer, die Frau des Schulbeauftragten für die evangelische Kirche in Südthüringen, Reiner Andreas Neuschäfer, hat eine indische Mutter. Sowohl Frau Neuschäfer als auch ihre fünf Kinder sahen sich nach eigener Darstellung anhaltend rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Sie haben Thüringen nach sieben Jahren verlassen und wohnen seit September 2007 in Erkelenz. Neuschäfer pendelt und ist auf der Suche nach einer Anstellung als Schulbeauftragter im Rheinland. Die Neuschäfers hatten in Rudolstadt ein Haus gekauft und die Absicht zu bleiben. Das, so sagen sie, "ging nicht mehr". Ein Kind wurde als "Nigger" beschimpft, ein anderes in der Schule verprügelt. Frau Neuschäfer erklärte der Zeitung: "›So was hat man früher zwangssterilisiert!‹ - das haben mir die Leute ins Gesicht gesagt." ... Rudolstadts parteiloser Bürgermeister Jörg Reichl widersprach der Darstellung. "Mir sind außergewöhnliche Vorkommnisse nicht bekannt", sagte er dem Blatt aus Halle. "Es wird manches übertrieben. Hier herrscht keine Ausländerfeindlichkeit."

AUS DER NO-GO-AREA (5)
    2. April, "Spiegel Online":
Zweite Halbzeit im Oberligaduell zwischen dem Halleschen FC und der Zweiten Mannschaft von Carl Zeiss Jena. Schiedsrichter André Stolzenburg pfeift einen Eckball für die Gäste. Als der Jenaer Spieler sich der Hallenser Kurve nähert, ertönen die Rufe zum ersten Mal, erinnert sich ein Augenzeuge: "Juden Jena!" Der Zeuge, der das Spiel in der HFC-Kurve verfolgte, erinnert sich, daß "der Linienrichter zu diesem Zeitpunkt genau vor der Kurve stand. Er kann das nicht überhört haben." Doch im Spielberichtsbogen sind die antisemitischen Rufe, die danach noch mehrfach zu hören waren, nicht vermerkt. "Mehrmals während des Spiels wurde ›Juden Jena‹ in unsere Richtung gebrüllt", sagt auch Lutz Hofmann vom Jenaer Fanprojekt, der sich in etwa 100 Meter Luftlinie Entfernung in der Gästekurve aufhielt.
- Stefan Frank -

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Literatur Konkret Nr. 34