|
Das aktuelle Heft
Aboprämie
Studenten-Abo
Streetwear
36 Jahre Konkret CD
|
 TÜRKISCHE VOLKSMUSIK
17. September, "Welt": In der Türkei sorgt ein Lied für Schlagzeilen, das den Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dink verherrlicht und gegen Christen und andere Minderheiten hetzt. Die türkische Nation werde kein Glockengeläut und keine Armenierfreunde tolerieren, heißt es in dem Lied des Sängers Ismail Türüt, wie türkische Medien meldeten. In einem Video dazu, das beim Internet-Videoportal Youtube kursiert, wird die Leiche von Hrant Dink gezeigt zu der Textzeile: "Wer die Nation verkauft, der wird fertig gemacht." ... 99 Prozent der Nation seien seiner Meinung, sagte Türüt in Zeitungsinterviews. AUS DER NO-GO-AREA (1)
30. September, "Welt": Nach der fremdenfeindlichen Attacke gegen drei Griechen am Sonnabend früh in Pankow hat die Polizei zwölf Tatverdächtige ermittelt und festgenommen. Acht von ihnen sind wieder aus dem Gewahrsam entlassen worden, vier mutmaßliche Täter im Alter zwischen 17 und 20 Jahren erhielten Haftbefehle mit Verschonung. Wie berichtet, waren am Sonnabend gegen 2.40 Uhr drei Griechen auf einer Tankstelle am Karower Damm ausländerfeindlich beschimpft und tätlich angegriffen worden. Dabei erlitten die 27 und 28 Jahre alten Opfer Gesichtsverletzungen. Eine 25jährige Frau blieb unverletzt. Ebenfalls am Sonnabend sind zwei weitere Vorfälle mit rechtsradikalem Hintergrund bekanntgeworden: Gegen 5 Uhr wurde in der Marzahner Raoul-Wallenberg-Straße ein 25jähriger Mann am Kopf verletzt. Das Opfer war mit drei weiteren Männern unterwegs gewesen, als es auf den 20jährigen Täter und dessen drei Begleiter traf. Nach verbalen Streitigkeiten schlug der Tatverdächtige dem 25 Jahre alten Berliner mit einem Schlagring auf den Kopf und fügte ihm mehrere Platzwunden zu. "Der Täter, der wie seine Begleiter dem Äußeren nach der rechten Szene angehören dürfte, versuchte zu flüchten, konnte aber von dem Geschädigten und einem Zeugen festgehalten werden", sagte ein Polizeisprecher. Bei seinem Fluchtversuch setzte der Täter Reizgas ein. Ebenfalls in Marzahn randalierten am Sonnabend gegen 23.20 Uhr in einem Jugendclub etwa zehn Jugendliche. Sie beschädigten eine Fensterscheibe und mehrere Papierkörbe der Einrichtung in der Bruno-Baum-Straße. Die Clubleiterin setzte die Randalierer vor die Tür. Dort skandierten sie antisemitische Parolen, zeigten den "Hitlergruß" und traten gegen einen geparkten Pkw. Anschließend entkamen sie unerkannt. GLOBALISIERUNG
1. Oktober, Deutschland-Radio Kultur: In den Buchläden und im Internet Brasiliens, der größten Demokratie Lateinamerikas, wird derzeit eine neue Auflage von Adolf Hitlers "Mein Kampf" in portugiesischer Übersetzung angeboten und findet laut Händlerangaben wie üblich reißenden Absatz. ... "Mein Kampf", auf Portugiesisch "Minha Luta", kostet umgerechnet rund 30 Euro und wird von São Paulos Verlag Editora Centauro als Prachtausgabe angepriesen. ... In Lateinamerikas Wirtschafts- und Kulturmetropole São Paulo hat natürlich auch die angesehene Spezialbuchhandlung Martins Fontes das Buch vorrätig. Sie liegt direkt an der Avenida Paulista, der lateinamerikanischen Wallstreet, und hat neben zahlreichen Banken auch Universitäten und Hochschulen ganz in der Nähe. "Diese neue Ausgabe ist sehr gefragt", sagt der Fachverkäufer Josè Dantas. ... Keineswegs nur auf den nazistischen Websites von Brasilien wird die neue Ausgabe besonders von jüngeren Frauen und Männern regelrecht gefeiert, mit grob rassistischen und antisemitischen Tiraden. "Hitler ist der größte Politiker aller Zeiten", heißt es da, "Minha Luta" sei ein sehr gutes, ein geradezu phantastisches Werk. ... Der polnische Jude Aleksander Laks war in Auschwitz, ist heute in Rio de Janeiro Präsident der örtlichen Vereinigung von Überlebenden des Holocaust. Seine Mutter wurde in Auschwitz vergast, sein Vater dort erschlagen, er selbst wurde von KZ-Arzt Josef Mengele selektiert. Laks ist stark enttäuscht, daß auch die jetzige Regierung weder amtliche Vornamen wie Hitler oder Himmler verbieten läßt noch Naziornamente der Hitlerzeit aus Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden entfernt. "Es gibt hier Nazis, auch entsprechende Websites, es gibt Antisemiten, die den Holocaust bestreiten. Selbst Kleiderständer in den großen Modegeschäften haben hier ein Hakenkreuzdesign, es ist kaum zu fassen." ... Brasiliens heutiger Staatspräsident Luis Inácio Lula da Silva hatte bereits als Gewerkschaftsführer im Jahre 1979 klargestellt, wie er zu Hitler steht. In einem Interview sagte Lula damals: "Hitler irrte zwar, hatte aber etwas, das ich an einem Manne bewundere - dieses Feuer, sich einzubringen, um etwas zu erreichen. Was ich bewundere, ist die Bereitschaft, die Kraft, die Hingabe." CARTE BLANCHE
7. Oktober, "Welt": Früher zog es Schimon Elkabetz zu Rocklegenden wie Pink Floyd und Deep Purple. Heute geht der 46 Jahre alte Israeli zu einem Konzert der deutschen Teenie-Band Tokio Hotel - seinen beiden zehn und 16 Jahre alten Töchtern zuliebe. Die vier Magdeburger Poprocker haben am Samstagabend in Tel Aviv ihr erstes Konzert in Israel gegeben. ... "Wie geht es Euch?", rief Sänger Bill Kaulitz zum Konzertbeginn auf Hebräisch. Die Menge dankte es ihm mit tosendem Jubel und Gekreische. Die Band versprach ein "geiles" Konzert. ... "Heute ist es scheißegal, was Euch passiert ist" und "scheißegal, was uns passiert ist", rief der gerade 18 Jahre alt gewordene Bill auf deutsch seinem jungen israelischen Publikum zu. Schon vorab hatte die Band in einem Interview der Hörfunkagentur dpa/ Rufa gesagt: "Wir sind echt komplett unbelastet, was so die politische Seite angeht." AUS DER NO-GO-AREA (2)
8. Oktober, DDP: Die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt hat bis Ende September fast 100 rechtsextreme Gewaltstraftaten in Sachsen-Anhalt registriert. Von den insgesamt 99 erfaßten Übergriffen seien 191 Menschen direkt betroffen gewesen, sagte Ralf Perbandt von der Mobilen Opferberatung am Montag in Magdeburg. Im vergangenen Jahr seien in diesem Zeitraum bereits 115 rechte Gewalttaten verzeichnet worden. Dieser leichte Rückgang dürfe dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß es eine große Dunkelziffer in diesem Bereich gebe. Die Angriffe hätten sich mehrheitlich gegen linke Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet, in 18 Fällen habe es sich um rassistisch motivierte Gewalttaten gehandelt. BEFREITES PALÄSTINA
9. Oktober, "Handelsblatt": Die radikal-islamische Hamas verliert den Rückhalt der Palästinenser - und zieht die Zügel an. So berichtet die Menschenrechtsorganisation "Palestinian Centre for Human Rights" fast täglich von neuen Folterfällen. Gewalttaten mit oft tödlichem Ausgang oder Entführungen durch die Polizeitruppen der Hamas sind an der Tagesordnung ... Die promovierte Pharmakologin und Fatah-Aktivistin Amani Abu Rahmeh hatte Freude an ihrem Beruf. Im palästinensischen Gesundheitsministerium war sie für die Versorgung mit Medikamenten in Gaza zuständig. Doch jetzt sitzt sie zu Hause. Notgedrungen. "Ich gehöre der falschen Partei an", sagt sie zynisch. Weil sie die Fatah unterstützt und keine Begeisterung für die radikal-islamische Hamas zeigt, die seit dem Sommer Gaza kontrolliert, darf sie sich nicht mehr in ihrem Büro zeigen. ... Und aus einem weiteren Grund bleibt sie in ihrer Wohnung. Ohne Kopftuch wagt sich die säkulare Frau nicht mehr auf die Straße. Kürzlich habe sie ein unbekannter Mann mit unmißverständlicher Drohgebärde aufgefordert, ihr Gesicht und ihren ganzen Körper zu bedecken. Amani Abu Rahmeh hat Angst. Die Jagd auf Anhänger der Fatah hat System. Der soziale Druck steige, sich "wie in Afghanistan" zu bekleiden, sagt Abu Rahmeh. "Die Hamas bestimmt jetzt, was erlaubt und was verboten ist", sagt die palästinensische Frauenrechtlerin Naila Ayesh. Die Furcht vor den Radikal-Islamisten geht um in Gaza: Die meisten Einwohner wagen es nicht, ihre Meinung offen zu äußern, heißt es in einer von "Near East Consulting" durchgeführten telefonischen Umfrage unter Palästinensern. DEUTSCHE HITLISTE
9. Oktober, "Welt": Alice Schwarzer, Urmutter des neueren deutschen Feminismus, hat offensichtlich sehr viel mehr Bewunderer als Feinde. In einer Umfrage bezeichneten 30 Prozent aller Deutschen Schwarzer als "Heldin", 36 Prozent der Frauen und (hoppla!) 25 Prozent der Männer. Damit schlägt Schwarzer in der Heldenstatistik sogar den Papst. Nur Michael Schumacher erzielte noch bessere Ergebnisse. NATIONALBÜROKRATEN
10. Oktober, "Taz": Dresdener Rechtsextreme haben offenbar Ermittlungsakten der Polizei dazu benutzt, ein Dossier über linke Gegner anzufertigen. ... Das Justizministerium in Dresden bestätigte, daß Rechtsextreme offenbar im Besitz von 37 Fotos der Kriminalpolizei und neun Polizeivideos waren ... Doch wie bekamen Neonazis die in die Hände? "Es konnte nicht festgestellt werden, wie die Kopien aus den Ermittlungsakten in die sogenannte Anti-Antifa-Akte gelangten", schreibt das Justizministerium in seiner Antwort. Dresdener Linke vermuten aber, daß Bilder und Videos aus einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft stammen, bei dem Anwälte von Rechtsextremen Einsicht in die Akten hatten. ... Es gibt in Dresden allerdings noch eine andere Spur: Der NPD-Abgeordnete Winfried Petzold hatte sich bei seinen kleinen Anfragen immer wieder auf interne Papiere des Landeskriminalamtes bezogen. Einige Abgeordnete des Landtages vermuten daher, daß die Nationaldemokraten eine Quelle bei den Sicherheitsbehörden haben. - Stefan Frank -
|
KONKRET Text 50
KONKRET Text 49
Literatur Konkret Nr. 34
|