Montag, 6. September 2010
   
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36 Jahre Konkret CD

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Heft 03 2010

Herrschaftszeiten

FREIHEIT IN PALÄSTINA
    7. Januar, "Taz":
In den Gefängnissen im Westjordanland wird weniger gefoltert. "Physische Mißhandlungen und Demütigungen sind seit Oktober offiziell verboten", erklärt Schawan Dschabarin, Generaldirektor der Menschenrechtsorganisation Al Haq. Nur noch in Ausnahmefällen werden die Inhaftierten Schlafentzug ausgesetzt oder müssen ohne Decken und Matratzen schlafen. Im Gazastreifen hingegen bleibt Folter Teil des Gefängnisalltags ... Die üblichen Praktiken, Häftlinge über Tage in unbequemen Stellungen zu fesseln, in dunklen kleinen Zellen zu isolieren, mit dem Tod zu bedrohen oder mit Stromkabeln zu peitschen, sollen im Westjordanland der Vergangenheit angehören ... Vertreter der Hamas im Westjordanland leugneten, daß die Autonomiebehörde eine neue Praxis in den Gefängnissen eingeführt habe. Das Einzige, was sich verändert habe, seien die Foltermethoden. Anstelle der Schläge würden die politischen Gegner nun über Stunden nackt in riesige Kühlschränke gestellt. Vor allem in den letzten zwei Jahren hat die Praxis der Folter erschreckende Ausmaße angenommen. Nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen und den späteren blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Hamas und Fatah wurde Folter zur systematischen Methode im politischen Kampf. Im Gazastreifen hat sich daran bis heute nichts verändert.

EIN VOLK STIRBT
    7. Januar, "Südwestpresse":
Zum Jahreswechsel haben sich die Mitglieder der Hechinger Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft zu ihrer letzten offiziellen Zusammenkunft getroffen. Beinahe 50 Jahre, seit 1951, existierte die Ortsgruppe der Heimatvertriebenen, deren Mitglieder aus dem gesamten Sudetengebiet stammten. Weit über 20 Personen gehörten früher der Vereinigung in der Zollernstadt an. In den zurückliegenden Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder jedoch stark verringert. "Neuzugänge gibt es so gut wie keine", bedauert Marielies Siegel, welche die Geschicke der Ortsgruppe seit dem Jahr 1990 leitet.

HUGO EDISON (1)
    14. Januar, AFP:
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat die Stromrationierung für die Hauptstadt Caracas wieder aufgehoben. Die Maßnahme habe "nicht gewünschte Auswirkungen" gehabt, sagte Chávez am Mittwoch im staatlichen Fernsehsender VTV. "Die Regierung muß in der Lage sein, ihre Fehler zu erkennen und rechtzeitig zu korrigieren", fügte der Präsident hinzu. Er habe auch den erst kürzlich ernannten Energieminister Angel Rodríguez zum Rücktritt aufgefordert.

HUGO MONTESSORI
    18. Januar, AFP:
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat die vor allem bei Kindern beliebte Spielekonsole Playstation als "Gift" verdammt. "Das, was sich ›Playstation‹ nennt, ist in Wahrheit Gift", sagte er in seiner wöchentlichen Rundfunksendung. "Es gibt Spiele, da lernt man, zu töten", echauffierte sich der Staatschef über die Konsole des japanischen Herstellers Sony. "Einmal haben sie ein Spiel mit meinem Gesicht gemacht. Es ging darum, Chávez zu suchen und zu töten." Für den Präsidenten ist die Sache klar: Die Spiele, "in denen man Städte bombardiert", seien Teil der "kapitalistischen Strategie, Gewalt zu säen und dann Waffen zu verkaufen".

PRAYPAL (1)
    26. Januar, "Welt online":
Deutschland sollte nach Ansicht des wirtschaftspolitischen Sprechers der baden-württembergischen CDU-Landtagsfraktion, Reinhard Löffler, von islamischen Finanzregeln lernen. Im Gegensatz zur westlichen Wirtschaftswelt habe "das schariakonforme System samt Zinsverbot und strengen ethischen Regeln bei Derivaten und Warentermingeschäften die Krise weitgehend unbeschadet überstanden", sagte Löffler dem Internetportal "evangelisch.de". Eine islamische Bank erwerbe nichts, was es nicht real gebe. Löffler will nach eigenen Worten für den Westen zwar nicht das islamische System übernehmen, zu dem auch ein Verbot des Handels mit Schweinefleisch und Alkohol gehöre. Doch sollte etwa die Landesbank Baden-Württemberg spezielle islamische Angebote machen. Die Deutsche Bank biete bereits schariakonforme Dienstleistungen im Ausland an, das Land Sachsen habe einmalig einen islamischen Bond aufgelegt, und bei Mercedes gebe es "Islamic Leasing", sagte der katholische Politiker. Der Abgeordnete erinnerte daran, daß auch die evangelische und katholische Kirche bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Geldverdienen mit Hilfe von Zinsen abgelehnt hätten. "Von all dem ist nichts geblieben." Doch sollte aus einem säkularen Finanzsystem die Ethik nicht verbannt werden, forderte er. "Denn die Todsünde Gier hat unserem Finanzmarkt enorm geschadet - vor allem natürlich den kleinen Leuten", sagte Löffler.

INSPIRATION (1)
    28. Januar, "Welt online":
Im Konflikt zwischen Regierung und Oppositionellen im Iran bahnt sich eine neue Auseinandersetzung an: Erstmals sind zwei Männer im Zusammenhang mit den Protesten hingerichtet worden, die nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im vergangenen Juni ausgebrochen waren. Mohammed Ali Zamani und Arasch Rahmanipour starben vor Sonnenaufgang durch den Strang, berichtet die halbstaatliche Nachrichtenagentur Isna.

INSPIRATION (2)
    1. Februar, "Der Standard" (Wien):
Zum Jahrestag der Islamischen Revolution hat der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad ein Loblied auf sein Land und dessen System angestimmt. Der Iran sei zur "Inspiration" für viele andere Nationen geworden, behauptete der Präsident am Montag zum Auftakt der Feierlichkeiten in Teheran.

HUGO EDISON (2)
    1. Februar, "El Universal" (Caracas):
Der venezolanische Präsident hat Innenminister Tarek El Aissami angewiesen, die Sicherheitsmaßnahmen auf der Insel Margarita zu überprüfen, die im Hinblick auf die Baseballspiele des Karibik-Turniers ergriffen wurden. Hugo Chávez sagte, Hinweise deuteten darauf hin, daß zwei Stromausfälle, die sich während der Finalspiele der venezolanischen Baseballiga ereigneten, Sabotageakte gewesen seien. "Wir haben noch keinen definitiven Beweis, aber alle Anhaltspunkte deuten darauf hin, daß die zwei Stromausfälle während des neunten Innings der Spiele, die im José-Bernardo-Pérez-Baseballstadion stattfanden, Sabotage waren."

COSÌ FAN TUTTE
    3. Februar, APA:
Der italienische Ministerpräsident Berlusconi hat sich während seiner Nahostreise Kritik zugezogen, weil er den Holocaust und die letzte israelische Offensive im Gazastreifen zusammen in einem Satz erwähnt hat. "Wie es richtig ist, um die Opfer der Shoah zu weinen, so ist es richtig, Mitleid zu zeigen für das, was in Gaza geschehen ist", erklärte Berlusconi am Mittwoch in Bethlehem. "Immer wenn der Krieg den Frieden ersetzt, wenn die Gewalt die Vernunft ersetzt, verschwindet die Menschlichkeit und die Beziehung zwischen den Menschen", erklärte der italienische Ministerpräsident bei einer Pressekonferenz mit dem palästinensischen Präsidenten Abbas. Zuvor hatte Berlusconi in einer Ansprache vor der Knesset in Jerusalem die militärische Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen noch mit dem Recht auf Selbstverteidigung gerechtfertigt.

ALLE VÖGEL ...
    3. Februar, "Hamburger Abendblatt":
Die Stadt Rendsburg hat am Dienstag dem Islamischen Zentrum für deren Moschee (Eckernförder Straße) den umstrittenen Gebetsruf von den 26 Meter hohen Minaretten (Türmen) erlaubt. Nach Schleswig und Neumünster wird der Muezzin nun auch hier zum Gebet rufen dürfen. Die Genehmigung gilt ab sofort, teil
te Bürgermeister Andreas Breitner (SPD) am Dienstag mit. Sie umfaßt den fünfmaligen Ruf in der Zeit von 6 bis 22 Uhr. Breitner verwies auf eine schalltechnische Untersuchung, der zufolge der Gebetsruf nur knapp über 40 Dezibel laut ist. Dies entspreche der Lautstärke eines leisen Radios oder singender Vögel.

BRAUCHTUM
    5. Februar, "Süddeutsche Zeitung":
Eine 16jährige ist im Südosten der Türkei Medienberichten zufolge von der eigenen Familie lebendig begraben worden. So sollte die vermeintlich beschmutzte Ehre des Mädchens wiederhergestellt werden. Die Ermordete sei von ihren Angehörigen verdächtigt worden, Kontakt zu Männern zu pflegen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag unter Verweis auf den Autopsiebericht. Ihr Vater und Großvater seien festgenommen worden, hüllten sich aber in Schweigen. Die Tote sei in sitzender Position in einem zwei Meter tiefen Grab gefunden worden, zitierte Anadolu einen Pathologen der Stadt Malatya im mehrheitlich von Kurden bewohnten Südostanatolien. Die Autopsie habe ergeben, daß in Lunge und Magen der jungen Frau Erde gewesen sei, "was bedeutet, daß sie lebend begraben wurde". "Das Mädchen hatte die Hände gefesselt und war bei Bewußtsein, als das Verbrechen begangen wurde", sagte der Rechtsmediziner demnach weiter.

"Ich stehe hier, weil meine Mutter den Holo..., äh den Bombenangriff überlebt hat und schlimme Erlebnisse damit verbunden sind"

Eine ältere Dresdner Gedenkdemonstrantin im ZDF-Wochenjournal vom 13. Februar

HUGO BOSS
    9. Februar, "Neues Deutschland":
Als Hugo Chávez vergangene Woche den 11. Jahrestag seiner Amtseinführung als Präsident Venezuelas feierte, sagte er: "Mir gefällt diese Zahl 11, ich bin 55 Jahre, davon 11 als Präsident. In 11 Jahren bin ich 66 und, so Gott will, 22 davon als Präsident" ... Das Sendungsbewußtsein des Präsidenten nimmt dabei immer bizarrere Züge an: "Ich bin nicht ich, ich bin ein Volk, verdammt noch mal, und das Volk hat man zu respektieren", rief er unlängst aus und forderte von seinen Anhängern "bedingungslose Loyalität".

PRAYPAL (2)
    10. Februar, AFP:
Weil einer ihrer Busfahrer während seines Dienstes eine überraschende Gebetspause einlegte, hat sich die Leitung der Londoner Verkehrsbetriebe nun bei den Fahrgästen entschuldigt. Der gläubige Muslim habe vergangene Woche plötzlich mit seinem Bus am Straßenrand im Londoner Norden gehalten, seinen Gebetsteppich ausgerollt, seine Schuhe ausgezogen und gegen Mekka gewandt seine Gebete gesprochen, erklärte sie. Sie versicherte, den Glauben ihrer Mitarbeiter zu respektieren. Wer beten wolle, solle dies jedoch in seinen Pausen in den dafür vorgesehenen Räumen der Verkehrsbetriebe tun. Eine junge Mutter schilderte dem "Daily Telegraph" das seltsame Verhalten des Busfahrers. Nachdem er sein Gebet beendet habe, sei er ohne ein Wort der Erklärung und der Entschuldigung ans Steuer zurückgekehrt. "Das war bizarr, gleichzeitig lächerlich und unangenehm", sagte sie dem Blatt.
- Stefan Frank -

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Literatur Konkret Nr. 34