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 ISLAMISCHE REPUBLIK
19. September, "Welt online": Die radikalen Muslime in der indonesischen Provinz Aceh haben es eilig. Am 30. September konstituiert sich ein neues Parlament, und dann wird von der Allmacht der Wohlstands- und Gerechtigkeitspartei (PKS) nicht mehr die Rede sein. Denn das Sagen in der neuen Volksvertretung wird die moderate Aceh-Partei haben, die bei der Kommunalwahl im April über die PKS in beeindruckender Weise triumphieren konnte. Es müssen also noch schnell (juristische) Pflöcke eingeschlagen werden, um das zu tun, was die Aceh-Islamisten "Rettung des Islams vor der Verwahrlosung" nennen. So verschärften sie das Strafrecht und verabschiedeten ein Gesetz, das deutliche Anleihen an die Scharia macht, das göttlich-islamische Gesetz, "unfehlbare Pflichtenlehre für alle Muslime". Sollte das neue Strafrecht in drei Wochen in Kraft treten, können Verheiratete, die Ehebruch begangen haben, zur Steinigung bis zum Tode verurteilt werden. Unverheiratete müssen für das gleiche "Vergehen" mit 100 Rohrstockhieben rechnen. Auf Homosexualität stehen bis zu 100 Stockhiebe sowie eine Geldstrafe im Wert von einem Kilogramm Feingold oder bis zu 100 Monate Gefängnis. Für Pädophilie beträgt die Strafe bis zu 200 Hiebe mit einem Rohrstock und zwei Kilogramm Gold oder 200 Monate Gefängnis. Vergewaltiger würden mit 100 bis 300 Stockschlägen sowie mit Haft zwischen 100 und 200 Monaten bestraft. "Es wird Zeit für die Menschen, die wahre Bedeutung der Scharia zu verstehen", sagt Bustanul Arifin, PKS-Parteimitglied und Mitautor des Gesetzestextes. "Wir beobachten, daß fremde Kulturen in Aceh eindringen und den moralischen Niedergang beschleunigen." Er hoffe, daß das neue Parlament auch für andere Verbrechen "adäquate" Strafen beschließen werde, etwa das Abschlagen der Hand für Diebstahl oder Korruption. ANTIFASCHISMUS
23. September, "Der Standard" (Onlineausgabe): Der Videospielherausgeber Activision-Blizzard hat in Deutschland den Nazi-Zombie-Shooter "Wolfenstein" für PC, PS3 und Xbox 360 aus dem Handel zurückgezogen. Zwar hatte der Hersteller aufgrund der Jugendschutzauflagen der USK im vornherein sämtliche Nazisymbole, Hakenkreuze, SS-Runen und Hitler-Motive durch fiktive Elemente ersetzen müssen, um die Marktfreigabe in Deutschland zu erhalten, doch anscheinend wurde die Zensur nicht gründlich genug durchgeführt. Der Grund für die Rückrufaktion ist vermutlich ein Hakenkreuz auf einem Plakat im Krankenhaus-Level des Spiels. "Obwohl es sich nicht um ein auffallendes Element handelt, das zudem im normalen Spiel allenfalls kurzfristig erkennbar sein kann, haben wir uns entschlossen, dieses Spiel sofort vom deutschen Markt zu nehmen", heißt es in einer Stellungnahme. In "Wolfenstein" schlüpft man in die Rolle eines britischen Agenten, um die okkulten Machenschaften verrückter Naziwissenschaftler aufzuhalten. Der Inhalt der Geschichte schrammt die realen Ereignisse dabei lediglich und verschränkt die mörderischen Pläne des Dritten Reichs mit purer Science-fiction. Um die Altersfreigabe von 18 Jahren zu erhalten, wurden auch Wörter und Gesten aus der englischsprachigen Originalversion ersetzt. Beispielsweise nennen die Alliierten die Nazis im Spiel "Wölfe", auch der Hitler-Gruß wurde abgeändert. WELT IN ZAHLEN (1)
6. Oktober, "Hamburger Abendblatt": Millionen Mädchen und Jungen sind nach einer Erhebung des Kinderhilfswerks Unicef Opfer von Gewalt, Ausbeutung oder Menschenhandel. Mindestens eine Million sitzen demnach in Gefängnissen, mehr als die Hälfte von ihnen ohne Gerichtsverfahren. Etwa 150 Millionen Kinder unter 15 Jahren müssen hart arbeiten und können deshalb kaum oder gar nicht zur Schule gehen. Schätzungen zufolge kamen 2007 rund 51 Millionen Kinder zur Welt, ohne daß ihre Geburt registriert wurde. Ohne Geburtsurkunde aber sind sie einer Ausbeutung schutzlos ausgeliefert. Mehr als 18 Millionen Minderjährige wachsen zudem in Familien auf, die aufgrund von Kriegen oder Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Vor allem Mädchen werden laut Unicef benachteiligt. In mindestens 29 Ländern der Erde seien sie durch die Tradition der Genitalverstümmelung bedroht. Jedes dritte in Entwicklungsländern werde zudem als Kind verheiratet. Der Anteil der Kinderheiraten liege in den Ländern Niger, Tschad und Mali bei über 70 Prozent, in Bangladesch, Guinea und der Zentralafrikanischen Republik sind es laut Unicef mehr als 60 Prozent. Allerdings sieht der Bericht in diesen Bereichen auch Fortschritte: In vielen afrikanischen Ländern sinke der Anteil der Mädchen, die an ihren Genitalien beschnitten werden. In Ländern wie Bangladesch, wo Kinderheiraten weit verbreitet sind, sei das Heiratsalter der Mädchen leicht gestiegen. STILLE NACHT
9. Oktober, DPA: Panne bei der Weihe der Freiheitsglocke zur Erinnerung an die friedliche Revolution vor 20 Jahren in Leipzig: Die Glocke sollte eigentlich am Freitag die Feierlichkeiten in der Stadt einläuten, blieb aber stumm. Vermutet wurde zunächst ein Fehler im Computersystem, so der Chef der Leipziger Kulturstiftung, Walter Christian Steinbach. Die golden schimmernde Glocke ist ein Geschenk der ostdeutschen Gießereiverbände an die Stadt Leipzig. REALITYSHOW
10. Oktober, AFP: Der wegen Mordes gesuchte brasilianische TV-Moderator Wallace Souza hat sich der Polizei gestellt ... Er war seit Montag auf der Flucht, nachdem ein Haftbefehl wegen Mordes, Drogenhandels und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeordnet worden war ... Dem TV-Moderator wird vorgeworfen, mindestens fünf Morde an Drogenhändlern angeordnet zu haben, um mit Filmaufnahmen von den Tatorten mehr Zuschauer für seine Polizei-Fernsehshow beim Sender Canal Livre zu gewinnen. Die Filmteams waren stets vor der Polizei an den Tatorten eingetroffen, was den Verdacht organisierter Morde ins Rollen gebracht hatte. WELT IN ZAHLEN (2)
11. Oktober, AFP: Die Zahl der Hinrichtungen ist weltweit gestiegen, obwohl immer mehr Länder die Todesstrafe abschaffen. Das teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) anläßlich des Internationalen Tages gegen die Todesstrafe mit. Während 2007 1.252 Menschen hingerichtet wurden, waren es im vergangenen Jahr 2.390. Mehr als 20.000 Menschen sitzen derzeit weltweit im Todestrakt. "Die Todesstrafe ist ein Auslaufmodell und ihre Abschaffung überfällig", forderte Oliver Hendrich, Anti-Todesstrafen-Experte bei Amnesty International. Zum harten Kern der Staaten, die Menschen hinrichten, gehören China, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und die USA. 2008 waren diese fünf Länder für 93 Prozent aller Hinrichtungen verantwortlich. Weiterhin wird in China die Todesstrafe am häufigsten vollstreckt. Dort droht die Hinrichtung für 68 verschiedene Vergehen. Im Iran wurden nach Beobachtungen von Amnesty International allein seit den Präsidentenwahlen im Juni mindestens 115 Todesurteile vollstreckt. Im Iran wurden unterdessen drei Demonstranten zum Tode verurteilt, die gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl protestiert hatten. Das meldete die Nachrichtenagentur Isna. Am Donnerstag hatte eine regierungskritische Website von einem ersten Todesurteil gegen einen Demonstranten berichtet. FACTS AND FANCIES
11. Oktober, "Neues Deutschland": Die Prüfung einer Redepassage von Bundespräsident Horst Köhler zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in Leipzig dauert an. "Das wird sich sicherlich ein paar Tage hinziehen", sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes am Samstag in Berlin. Köhler hatte am Freitag bei einem Festakt in Leipzig zur Lage bei der Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 gesagt: "Vor der Stadt standen Panzer, die Bezirkspolizei hatte Anweisung, auf Befehl ohne Rücksicht zu schießen. Die Herzchirurgen der Karl-Marx-Universität wurden in der Behandlung von Schußwunden unterwiesen, und in der Leipziger Stadthalle wurden Blutplasma und Leichensäcke bereitgelegt." Nach Recherchen des Mitteldeutschen Rundfunks ist diese Darstellung nicht korrekt. Der Bundespräsident habe seine Angaben wahrscheinlich aus einem bekannten Buch, das teils falsche Darstellungen enthalte. HAM-ASS
13. Oktober, "Süddeutsche Zeitung": Um seinen kleinen Zoo in Gaza um die Attraktion eines Zebras reicher zu machen, hat Direktor Imad Quassim einen Esel mit schwarzen Streifen anmalen lassen. "Der Zoo hatte kein Zebra, und da war es doch eine clevere Idee, einem Esel das Fell zu scheren und ihn wie ein Zebra anzumalen. Ich sage Ihnen, niemand kann einen Unterschied feststellen", sagte der 39jährige. EXPORTSCHLAGER (1)
13. Oktober, "Welt online": Deutsche Pistolen aus Bundeswehrbeständen werden auf dem Schwarzmarkt in Afghanistan und Pakistan gehandelt. Darunter seien Waffen aus einer Lieferung des Bundesverteidigungsministeriums von 10.000 Pistolen an die afghanischen Sicherheitskräfte, berichtet der Radiosender NDR Info. Afghanische und pakistanische Waffenhändler sagten dem Sender, es seien Hunderte deutsche Pistolen vom Typ Walther P-1 im Angebot. Sie seien in Afghanistan und Pakistan Prestigeobjekte und werden zu Preisen von mehr als 1.000 Dollar gehandelt. Nach Auskunft von Experten und Waffenhändlern sei eine fast 50 Jahre alte, aber nahezu unbenutzte Bundeswehrwaffe in Kabul für 1.600 Dollar angeboten worden. Unter den Verkäufern seien aktive und ehemalige afghanische Polizisten und Soldaten. EXPORTSCHLAGER (2)
13. Oktober, "FAZ": Frankreich lädt einen Teil seines Atommülls heimlich in Sibirien ab. Das berichtete die Zeitung "Libération" am Montag. Etwa 13 Prozent der Abfälle aus französischen Atomkraftwerken lagerten in der für die Öffentlichkeit unzugänglichen sibirischen Stadt Sewersk, schreibt "Libération" nach acht Monate währenden Recherchen. Seit Mitte der neunziger Jahre werden demnach jährlich 108 Tonnen abgereichertes Uran aus den Reaktoranlagen des französischen Elektrizitätskonzerns EDF 8.000 Kilometer weit nach Sibirien gebracht. Der Atommülltransport erfolge zunächst auf dem Seeweg (von Le Havre nach Sankt Petersburg) und dann auf der Schiene. Der Atommüll werde in Sewersk unter freiem Himmel "auf einem Parkplatz" aufbewahrt. "Libération" schreibt, die EDF-Konzernleitung habe diese Informationen bestätigt, aber auf einen Kommentar verzichtet. WELT IN ZAHLEN (3)
14. Oktober, "Welt online": In Afrika und Südasien hungern weltweit die meisten Menschen - vor allem Frauen und Kinder. Nach einem neuen Bericht der Welthungerhilfe ist die Situation vor allem in Ländern südlich der Sahara alarmierend. Den schlechtesten Wert auf dem Welthunger-Index, der Daten zu Unterernährung und Kindersterblichkeit aus 121 Ländern vergleicht, hat die Demokratische Republik Kongo. In 29 Staaten gilt die Lage als gravierend, darunter auch in Indien oder Haiti, teilte die Welthungerhilfe am Mittwoch in Berlin mit. In Ländern, in denen Frauen schlechter gestellt sind als Männer, sei die Not spürbar größer. Weltweit hungern rund eine Milliarde Menschen. - Stefan Frank -
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KONKRET Text 50
KONKRET Text 49
Literatur Konkret Nr. 34
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