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 Arsch in Öl
10. April, DDP: Wolf Biermann (70), Liedermacher, will sich als neuer Berliner Ehrenbürger von dem ostdeutschen Maler Strawalde porträtieren lassen. Er habe sich für den Dresdner Dokumentarfilmregisseur Jürgen Böttcher entschieden, der sich als Maler Strawalde nennt, sagte Biermann der "Berliner Zeitung". Biermann und Böttcher sind seit Mitte der 1960er Jahre befreundet. Biermann hatte die Ehrenbürger-Auszeichnung Ende März nach monatelangem öffentlichen Streit erhalten. Die Berliner Ehrenbürger können sich den Künstler aussuchen, der sie malt. Die Porträts werden in einer Galerie im Berliner Abgeordnetenhaus gezeigt. Interreligiöser Dialog (1)
17. April, "Taz Berlin": "Berlin ist eine Stadt der Vielfalt." Über diesen Satz will Thomas Birk mit Abdul Basit Tariq reden. Der grüne Sprecher für Lesben- und Schwulenpolitik hat den Imam der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in einem offenen Brief zur Diskussion aufgefordert, "eventuell auch mit Vertreter/innen von Lesben- und Schwulenorganisationen". Für Birk und seine KollegInnen ist nicht hinnehmbar, daß Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Schweinefleisch und Homosexualität behauptet haben. Solche Äußerungen, so Birk in seinem Brief, seien "geeignet, die Diskriminierung von Lesben und Schwulen bis hin zur Gewalt zu schüren". Sie strapazierten "arg" die Solidarität der Grünen, die sich im Streit um den Moschee-Neubau in Heinersdorf bislang stets hinter die Ahmadiyya-Gemeinde gestellt hatten. Anlaß der Empörung ist ein umstrittener Artikel, den eine junge Studentin und Ahmadiyya-Anhängerin vor zwei Jahren im Jugendmagazin der Gemeinde veröffentlicht hatte. Darin behauptet sie, daß der Verzehr von Schweinefleisch zu Krankheiten, charakterlichen Fehlbildungen und Homosexualität führe. "Ein schamloses Tier wie das Schwein prägt oder unterstützt die Ausprägung gewisser Verhaltensweisen des Konsumenten", so die Autorin in dem Beitrag, der immer noch auf der Ahmadiyya-Website abrufbar ist. Während Medien und Homosexuellenorganisationen den Text scharf kritisierten, verteidigte der Frankfurter Gemeindevorstand kürzlich die haarsträubenden Thesen. Man stimme den Ausführungen der Verfasserin "im allgemeinen zu", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme der Ahmadiyya-Gemeinde. Die Autorin habe sich auf das Buch Schweinefleisch und Gesundheit des Arztes Hans-Heinrich Reckeweg gestützt. Der Artikel, betonte die Gemeinde, die sich selbst als friedfertige islamische Reformgemeinde bezeichnet, gebe lediglich einen Standpunkt wieder. Zum Haß auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen wolle man aber nicht aufrufen. Interreligiöser Dialog (2)
19. April, "Hamburger Abendblatt": Bei einem blutigen Überfall auf ein christliches Verlagshaus in der Türkei sind drei Menschen getötet worden, darunter ein Deutscher. Die Täter fesselten ihre Opfer an Händen und Füßen, bevor sie ihnen die Kehlen durchschnitten. Ein weiteres Opfer konnte offenbar entkommen. Vier Verdächtige wurden festgenommen. Nach Informationen des türkischen Fernsehens soll es sich um Islamisten handeln. Aus tiefster Überzeugung
19. April, "Tagesspiegel Online": Bei einer Schülergruppe der Landespolizeischule gibt es keine antisemitischen Einstellungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten eines unabhängigen Expertenteams der Freien Universität. Die Betroffenen könnten ihre Ausbildung "frei von jedem Verdacht" fortsetzen, sagte ein Polizeisprecher. Die Schule war in die Schlagzeilen geraten, weil Polizeischüler Ende Februar im Unterricht gesagt haben sollen, sie wollten nicht dauernd an den Holocaust erinnert werden. Zugleich sollen Bemerkungen gefallen sein, daß Juden reiche Leute seien. Der Vorfall hatte bundesweit Empörung ausgelöst. Die FU-Psychologen hatten die angehenden Polizisten nach Angaben des Sprechers in freiwilligen Einzelinterviews nach dem Vorfall und ihren Wahrnehmungen befragt. Auch ihre generelle Einstellung zum Rechtsextremismus und Holocaust sei untersucht worden. Demnach hätten Schüler im Unterricht geäußert, daß sie als Vertreter einer späteren Generation in Medien teilweise immer noch für den Holocaust verantwortlich gemacht würden und dies als "unangemessen" empfänden. Damit sollte aber nicht die mangelnde Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Thema signalisiert werden, sagte der Sprecher. Auch bei der Formulierung, Juden seien reiche Leute gewesen, handele es sich nach Einschätzung der Experten nicht um eine eigene Überzeugung der Schüler. Vielmehr hätten sie die Vermutung geäußert, daß ein solches Vorurteil antisemitischen Einstellungen zugrunde liegen könnte. Hätte die Untersuchung Anhaltspunkte für Antisemitismus ergeben, wären die Schüler für die Berliner Polizei "untragbar" gewesen, betonte Polizeipräsident Dieter Glietsch. Polizeibeamte müßten "aus tiefster Überzeugung gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus antreten". Hell's Angels
21. April, DPA: Papst Benedikt XVI. hat die traditionelle Vorstellung einer "Vorhölle" (Limbus) für ungetaufte tote Kinder offiziell für überholt erklärt. "Der Ausschluß von unschuldigen Kindern aus dem Paradies widerspricht der besonderen Liebe Christi für die Kleinen", heißt es zur Begründung in einem vom Papst abgesegneten Dokument. Honoris causa (1)
24. April, "Gießener Anzeiger": Ein 46 Jahre alter Türke ist vom Landgericht Limburg wegen versuchter Anstiftung zu einem sogenannten Ehrenmord an seiner Tochter zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, daß der Familienvater im vergangenen Herbst seinem damals 16jährigen Sohn aufgetragen habe, dessen sechs Jahre ältere Schwester in der Türkei umzubringen. Die junge Frau hatte sich dem Willen des Vaters widersetzt, einen Cousin zu heiraten. "Ich kann die Umweltschutzpolitik als etwas Hippes präsentieren im Gegensatz zu dieser schuldbeladenen Ideologie des Bäumchenumarmens"
 Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien Honoris causa (2)
27. April, "Standard.at": Am Freitag wurde bekannt, daß am 7. April in der irakisch-kurdischen Stadt Bashiqa die 17jährige Doa zu Tode gesteinigt worden ist. Nach Angaben von Wadi, einer vor Ort tätigen Hilfsorganisation aus Österreich, gehörte das Mädchen einer Yezidi-Familie an, hatte sich aber in einen muslimischen Araber verliebt und diesen im geheimen getroffen. Als die Beziehung entdeckt wurde, brachte man das Paar auf eine Polizeistation und verhörte sie. Da der Mann Doa nicht heiraten wollte, verboten ihre Eltern die Rückkehr nach Hause. Ein yezidischer religiöser Würdenträger aus Bashiqa nahm sich ihrer an und versteckte sie fünf Tage lang bei sich zu Hause, bis sie Familienangehörige aus seinem Haus holten, mit dem Versprechen, ihr würde nichts zustoßen. Auf offener Straße wurde sie daraufhin zu Tode gesteinigt, so Wadi ... Mirza Dinnayi, ehemaliger Minderheitenberater des irakischen Staatspräsidenten Talabani und Koordinator der "Yezidi Democratic Community" in Deutschland, zeigt sich über den Vorfall bestürzt. "Alle yezidischen Vereine und Persönlichkeiten haben auf diesen barbarischen Akt voller Bestürzung reagiert. Daß Ehrenmorde nun auch unter Yeziden passieren, zeigt, wie verroht die irakische und die gesamte orientalische Gesellschaft ist." ... Mirza Dinnayi befürchtet, daß sich die Situation für die yezidische Bevölkerung in den nächsten Wochen massiv verschlechtern werde. Er berichtet von manipulierten Videoaufnahmen, die das gesteinigte Mädchen mit Kopftuch und Koran in Händen zeigen. "Kurdische Islamisten verbreiten das Gerücht, daß das Mädchen zum Islam konvertiert sei und deshalb sterben mußte ... In den Moscheen von Mosul kursiert seit der Tat eine Fatwa, die zur Ermordung von Yeziden aufruft. Und vor einer Woche wurden 24 yezidische Arbeiter aus einem Bus gezerrt und hingerichtet." Tatsächlich zeigen Filmaufnahmen, die mit einer Handykamera gefilmt wurden, daß männliche Familienangehörige des Mädchens (der Onkel, der Bruder und ein Cousin) vor den Augen mehrerer hundert Zuseher das Mädchen nackt auszogen und zu Tode steinigten. Deutlich erkennbar sind ebenfalls Polizisten, die der Steinigung unbeteiligt zusahen und nicht einschritten ... Allein zwischen Jänner und März 2007 kam es zu 40 Mordfällen an Frauen aus Gründen der sogenannten "Ehre" in Irakisch-Kurdistan, wie UNAMI (United Nations Assistance Mission in Iraq) jüngst berichtete. Demographischer Wandel
27. April, "FTD": Japan will die Zahl der jährlich über 30.000 Selbstmorde im Lande senken. Ein Beratungsgremium der Regierung legte am Freitag das Ziel fest, die Zahl der Suizide in den kommenden zehn Jahren um 20 Prozent zu reduzieren. Dadurch würden rund 5.000 Menschenleben gerettet. Im Jahr 2005 kamen nach statistischen Berechnungen auf 100.000 Menschen 24,2 Suizidfälle. Sollte die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt ihr langfristiges Ziel erreichen, würde die Rate auf 19,4 Personen je 100.000 Bürger sinken. In 2005 hatten sich insgesamt 32.552 Japaner das Leben genommen. Damit liegt die Zahl der Selbstmorde seit bereits acht Jahren über der Marke von 30.000. In einem ersten Entwurf für wirksame Gegenmaßnahmen spricht sich das Regierungsgremium für ein Unterstützungs- und Beratungssystem für Menschen aus, die unter hohen Schuldenbergen leiden oder ihren Arbeitsplatz verloren haben. Zudem soll Menschen mit Depressionen frühzeitig geholfen werden, hieß es. Jüngste Daten der nationalen Polizeibehörde für 2005 zeigten, daß zwar die Mehrheit der Selbstmorde von Menschen im Alter von über 50 Jahren begangen wurde, wie Medien berichteten. Während ihre Zahl jedoch rückläufig war, kam es vermehrt zu Suiziden unter jüngeren Menschen. Am stärksten nahm dabei die Zahl der Selbstmorde unter Studenten und Schülern zu, und zwar insgesamt um 9,8 Prozent auf 861. Zweite Hilfe
30. April, "Spiegel": Eine besondere Absprache für die Organisation eines Muslimfestes in Berlin sorgt in der Hauptstadt-SPD für Empörung. Bei einer "Feier der Geburt des Propheten" am Ostersonnabend in der Max-Schmeling-Halle hatte sich der Malteser Hilfsdienst auf Wunsch der Veranstalter auf strikte Geschlechtertrennung bei der Betreuung der Patienten eingelassen: Frauen sollten ausschließlich von Helferinnen versorgt werden, männlichen Sanitätern war es untersagt, weiblichen Teilnehmern des Festes zu helfen - außer bei Lebensgefahr. Es war das erste Mal, daß die Berliner Malteser in eine solche Einschränkung ihrer Hilfsdienste eingewilligt hatten. Die Mitte der Gesellschaft
30. April, "Die Zeit": Jörg Hähnel ist dafür zuständig, daß sich noch aus dem hintersten Zipfel der sächsischen Schweiz Neonazis auf den Weg nach Heiligendamm machen. Er ist Mitglied des NPD-Bundesvorstands, stellvertretender Landesvorsitzender in Berlin, Bezirksverordneter in Berlin-Lichtenberg, tritt in seiner Freizeit als rechtsradikaler Liedermacher auf und hat aktuell die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in seiner Partei übernommen. Was die Linken als Neoliberalismus und Globalisierung bezeichnen, soll nun auch von Rechtsaußen angegriffen werden. "Der Neoliberalismus ist die absolute Herrschaft des Mammons", sagt Hähnel und stört sich nicht am jüdischen Ursprung des Wortes ... "Globalisierung ist Nivellierung", fährt Hähnel fort, "und sie zerstört den Menschen. Sie nimmt ihm seine Grundbedürfnisse: Gemeinschaft und Kultur." Die amerikanische Mainstreamkultur walze alles platt. Weltweit. Überall nur noch Hollywood und Halloween, Fast Food und Fettsucht, Black Music und Bling-Bling. Das klingt gar nicht so rechtsradikal. Sondern eher nach deutschem Konsens. "Das Thema G8 wird von links in die Medien gebracht, und die Nazis nutzen das aus", sagt ein Mitarbeiter der Verdi-Arbeitsgruppe Rechtsextremismus in Berlin/Brandenburg. Was er nicht sagt: Daß die Rechten glauben, sich an das Thema Globalisierung andocken zu können, liegt auch an einem Versäumnis der bürgerlichen und linken Globalisierungskritiker - sie haben sich bisher nicht ausreichend gegen Rechts abgegrenzt und zu oft auf Rhetorik gesetzt statt auf Inhalte. Als zum Beispiel vor einigen Monaten eine Teilprivatisierung des Hamburger Hafens zur Debatte stand, pöbelte der lokale Verdi-Landesbezirksleiter: "Wir werden nicht zulassen, daß fremde Mächte oder das internationale Finanzkapital sich die Lebensader Hamburgs unter den Nagel reißen." Statt inhaltliche Kritik zu üben, mischte er einen rhetorischen Antikapitalismus mit drastischen, latent antisemitischen Metaphern - zwei bis drei Bier später, könnte man glauben, würde der Gewerkschaftsfunktionär dem NPD-Mann herzlich zuprosten. Immer wieder hetzen auch Linke im Weltverschwörungston gegen den "amerikanischen Kulturimperialismus" und sehen deutsche Kultur und Arbeitsplätze von ausländischen Heuschrecken bedroht. So entwerfen sie Feindbilder, denen sich auch Nazis gern anschließen. "Wir treffen mit unserer Globalisierungskritik den Nerv der Zeit", behauptet der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Sascha Roßmüller, "jetzt sind wir endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen". Stefan Frank
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KONKRET Text 50
KONKRET Text 49
Literatur Konkret Nr. 34
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