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Heft 08 2007

an konkret

Sozialdemokraten

KONKRET 7/07: "Patron der Proleten" von Ralf Schröder

Ralf Schröder hat einen dämlichen Artikel geschrieben. Daß Oskar Lafontaine ein Sozialdemokrat durch und durch ist, sollte immer wieder gesagt werden. Und daß die Sozialdemokratie, und damit auch Lafontaine, immer wieder in ihrem Opportunismus auch reaktionäre Lösungen für die Übel des Kapitalismus sucht und propagiert, sollte auch immer wieder gesagt werden. Aber diese unbekümmerte Gleichsetzung mit dem Nationalsozialismus (wenn auch zur Unterscheidung mit Bindestrich als National-Sozialismus geschrieben) ist schlichte Denkfaulheit.
Schröders Zitate von Lafontaine weisen bei etwas wohlwollenderer Lesart aus, daß dieser der Meinung ist, daß das Kapital durch Kapitalverlagerung ins Ausland die Arbeiterschaft erpressen will und sie der Arbeitslosigkeit aussetzt; die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften nur gewünscht wird, um Lohndumping zu betreiben; die unsichere soziale Lage der Menschen eine Ursache für Fremdenfeindlichkeit ist; die Anarchiedes Kapitalismus solidarisches Verhalten von Menschen verhindert; die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse das Selbstbewußtsein der betroffenen Menschen zerstört; es den Managern usw. nur ums Geld geht; die Rüstungsindustrie vergesellschaftet werden muß; das Kapital politische Entscheidungen kaufen kann.
Zugegeben: Dies sind für einen Linken nicht unbedingt neue Erkenntnisse. Und aus ihnen allein ergibt sich noch nicht automatisch, wie eine linke Politik aussehen sollte. Aber die Linken haben sich zumindest vorgenommen, eine Sozialpolitik, eine Wirtschaftspolitik und eine Friedenspolitik im Interesse der Arbeiterklasse zu betreiben.
Was ich also sagen will: Kritik an und Entlarvung von linker sozialdemokratischer Politik muß sein, meinetwegen auch die Mitteilung von persönlichem Abscheu. Lafontaine zu bezichtigen, größere Perfidie als die Nazis zu betreiben, ist nicht mehr diskussionswürdig und erkenntnisfördernd.
Jan Deters-Meissner
Wippingen

Vielen Dank für die Aufbereitung des Lebensweges von Herrn Lafontaine. Nachdem ich den Beitrag gelesen habe, fiel es mir wieder ein, wie sehr ich mich Anfang der neunziger Jahre geärgert habe, als in Deutschland der Asylkompromiß beschlossen wurde. Als Österreicher ist man nicht gewohnt, daß es darüber Debatten gibt, da wurde es einfach beschlossen, ganz ohne Debatten. Aber weil man Anfang der Neunziger die Segnungen des Kabelfernsehens genießen durfte, verfolgte ich die Übertragungen aus dem deutschen Bundestag zum Asylrecht. Und ich weiß noch, daß ich diesem Scheißkerl Lafontaine am liebsten sonstwas angetan hätte, ihm und der ganzen Meute seiner SPD-Kumpels. Die SPD ist, wie man so sagt, irgendwann umgefallen, in Österreich hatte die Sozialdemokratie das gar nicht nötig, sie war schon dort, wo die SPD erst hinfallen mußte.
Josef Fröschl
per E-Mail

Ich will versuchen, eine Lanze für Oskar Lafontaine zu brechen. Ich verstehe Ihre Wut, aber Oskar steckt in einem ethischen Dilemma. Da wäre die radikalsozialistische Lösung, die auf Erlösung der Geknechteten und Ausgebeuteten der ganzen Menschheit gerichtet ist, aber nach Lage der historischen Dinge noch lange bis zum Ende des Kapitalismus auf sich warten lassen müßte, also politisch nicht praktikabel ist. Das wäre (nach Max Weber) die gesinnungsethische Position. Die andere Position, mit der man politisch wirken kann, ist die, sich um die sozial Depravierten im eigenen Land zu kümmern, die ich die realsozialistische nennen möchte und die man verantwortungsethisch begründen kann. Oskar bevorzugt die kleine Lösung, weil der Kapitalismus nur in den Grenzen des Nationalstaats noch einigermaßen steuerbar zu sein scheint. Das sieht vielleicht nationalistisch aus, muß es aber nicht sein. Wie gesagt: Nur im nationalstaatlichen Rahmen ist der Kapitalismus für soziale Zwecke instrumentalisierbar.
Roland Klee
Heidelberg

Mit großer Verwunderung habe ich Ihren Artikel zu Herrn Lafontaine gelesen. Sie bezeichnen Herrn Lafontaine als Patron der Proleten, wobei Sie mit dieser Formulierung nicht nur Herrn Lafontaine treffen und beleidigen wollen, sondern auch die Anhänger der neu gegründeten Linkspartei. Denn im Fremdwörterlexikon steht, daß Prolet ein ungebildeter, ungehobelter Mensch ist. Ganz im Gegensatz dazu steht der Proletarier, der wirtschaftlich abhängige, besitzlose Mensch als Zugehöriger der Arbeiterklasse. Natürlich spielen Sie auf diesen Zusammenhang an, da ja die Linkspartei das Sprachrohr der Proletarier sein will. Proletarier aber mit Proleten gleichzusetzen, ist eine grobe Beleidigung der Anhänger einer demokratischen Volkspartei. Würden diese "Proleten" den neoliberalen Zielen der Linkspartei zustimmen, sie würden bestimmt nicht von Ihnen diffamiert!
Reimond Mahr
Bebra-Breitenbach

Satiriker

KONKRET 7/07:

"Hier bin ich wirklich daheim" von Florian Sendter
Sie schildern die klerikale Szene in Regensburg und ordnen mich als "entsprungenen Dominikaner" dem geistigen Gefolge von Fürstin Gloria zu. Sodann schreiben Sie wörtlich über mein neuestes Buch: "Das sehr schöne Büchlein hat den Titel Kurzgefaßte Verteidigung der Heiligen Inquisition und stammt von dem entsprungenen Dominikaner Hans Conrad Zander, der im Klappentext als ›Großmeister der religiösen Satire‹ firmiert. Die 190 Seiten Text indes sind bleierner Ernst. In fünf Kapiteln wird messerscharf nachgewiesen, was die Heilige Inquisition alles war: Erstens jung und fortschrittlich, zweitens frauenfreundlich, drittens effizient, viertens hatte sie recht, und fünftens war sie heilig. Noch Fragen?"
Nur eine einzige: Hat Ihr Autor mein Buch auch nur in Händen gehalten? Es ist nicht möglich. Damit auch dem bleiernsten Ernstmeiner klarwerde, daß dies eine Satire ist, habe ich mich nämlich, wie bei früheren Satiren, mit dem wohl besten antiklerikalen Cartoonisten unserer Tage, mit Borislav Sajtinac, zusammengetan, und er hat mir auf den Umschlag die Karikatur eines Großinquisitors gesetzt, der halb Drache ist, halb Clown. Mit roter Karnevalsnase. Achtung Satire! Ferner habe ich diese "Verteidigung" der Inquisition mit Absicht in einem liberalprotestantischen Verlag, dem Gütersloher Verlagshaus, veröffentlicht. Um ganz sicherzugehen, habe ich den einzelnen Kapiteln Überschriften gegeben wie zum Beispiel: "Die Heilige Inquisition war frauenfreundlich." Wer kann im Ernst so etwas ernst nehmen? KONKRET schon.
Also, bleiern ernst, noch dies zu meiner Person: Ich bin Schweizer, war noch nie in Regensburg und kenne Fürstin Gloria überhaupt nicht. Und der "entsprungene Dominikaner"? Ich bin siebzig Jahre alt und dem Dominikanerorden nach dreijähriger Zugehörigkeit vor 47 Jahren "entsprungen". Dagegen war ich zum Beispiel sechzehn Jahre lang Redaktionsmitglied beim "Stern" und habe dort eine antiklerikale Reportage nach der andern veröffentlicht. Und vierzig Jahre lang im WDR eine antiklerikale Satire nach der andern.
Jetzt aber habe ich Angst, daß KONKRET auch noch meine Satire "Worte des Vorbetenden Meisner" entdecken könnte. Und daß dann im nächsten KONKRET steht, dies sei - natürlich "bleiern ernst" - ein Lobgesang auf den Kölner Erzbischof. Kardinal Meisner hat mich übrigens seinen "Erzfeind" genannt. Warum? Weil er mit Ihrem Regensburger Autor etwas gemein hat: Auch er nimmt "bleiern ernst".
Hans Conrad Zander
Fontanezier (Vaud), Schweiz

Es ist für mich immer wieder interessant festzustellen, wie genuin klerikal-faschistisch Regensburg ist. Woran das wohl liegt?
Alexander Gruber
Pentling (bei Regensburg)

Vordenker

KONKRET 7/07: Editorial

Nun scheint es also eine Glaubensrichtung wieder zu geben, die zwei Jahrzehnte vergessen schien: der Wallraffismus. Der Glaube der Wallraffisten beruht auf drei Säulen: 1. Wallraff war nie bei der Stasi. 2. Wallraff schreibt seine Bücher selbst. 3. Die Erde ist eine Scheibe.
Uwe Herzog
ehemaliger Ghostwriter von Günter Wallraff
per E-Mail

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36