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36 Jahre Konkret CD

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Heft 12 2005

an konkret

Lauter Lobreden

KONKRET 11/05: Titel

Könntet Ihr nicht das aktuelle Titelbild als Plakat herausgeben? Ich würde es mir direkt an die Wand pinnen, denn es zeigt so überaus konkret den patriotisch-bepieselten Zustand dieses Landes. Du pißt das Wunder von Deutschland!
André Herrwerth,
per E-Mail

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Titelbild. Mir ging ja diese "Ich bin Deutschland"-Kampagne dermaßen auf den Senkel (eigentlich jedem, mit dem ich so im allgemeinen freundschaftlichen Umgang pflege), daß ich froh bin, daß ihr das mal richtig derb ins Gegenteil gewendet habt. Die traurige Gestalt geht auch nach 15 Jahren immer noch. Auch wenn das Trikot nicht mehr stimmt. Es ist eine Figur, die man gar nicht sehen WILL und mit der sich vor allem Ekel einstellt. Einer der besten Kommentare zur Lage!
Roland Buhles,
Saarbrücken

Ich bin kein regelmäßiger KONKRET-Leser, aber dieses Titelbild ist treffend, sowohl was die Charakterisierung der Werbekampagne als auch, was die psychische Verfassung der meisten Menschen hier betrifft.
Peter Wenzel,
per E-Mail

Lauter Erinnerungen

KONKRET 11/05: Gremlizas Express

Die "Gruppe internationaler Trotzkisten", der angehört zu haben Prof. Bude ansonsten durchaus glaubhaft versichert, hieß in Tübingen nicht anders als in der wirklichen Welt: "Gruppe internationaler Marxisten". Eigenartig, daß Bude das vergessen hat, kann er sich doch immerhin noch ganz genau daran erinnern, daß die "DKPisten" allesamt "mit glühenden Augen" Pablo Neruda gelesen haben - was wiederum mir während meiner mehrjährigen Mitgliedschaft in dieser Partei niemals aufgefallen war. Ganz, ganz ehrlich!
Uwe Lenhardt,
Berlin

Lauter Geisterfahrer

KONKRET 11/05: "Schröder. Ein Nachruf" von Hermann L. Gremliza

Alles und jeder steht im Bann der großen weltweiten Verschwörung des Kapitals. Das Kapital "hält sich die Öffentlichkeit", und Gremliza irrt nie! Ich könnte wetten, Sie kennen das Gefühl eines Autofahrers, der vor sich unzählige Geisterfahrer entdeckt und sich aber beim besten Willen nicht vorstellen kann, warum. Solange man sich auf der guten Seite sieht, ist Politik so herrlich einfach, nicht wahr?! Kapitalistisch oder nicht; schwarz oder weiß; gut oder böse.
Was die bösen "Medienkampagnen" angeht: Vor dieser Bundestagswahl outeten sich die meisten Journalisten und vermischten Information mit Meinungsmache. Da kennen Sie sich aus, nicht wahr? Nur nicht für irgendeine Partei oder Koalition, sondern gegen ... Ja, so könnte man Ihr Verständnis von Journalismus wohl auf den Punkt bringen: Gegen. Egal gegen was, Hauptsache dagegen. Destruktiver Journalismus in Reinform!
C. B.,
per E-Mail

Lauter Antworten

KONKRET 11/05: "Buch des Monats" von Andreas Jahn-Sudmann

Die Besprechung des M. N. Lorenz zu Walser ist ja sehr verdienstvoll, ebenso die Verweise auf Hannes Heer, Stephan Braese, Nicolas Berg in diesem Zusammenhang. Gut, wie Andreas Jahn-Sudmann dies Thema behandelt. Wieso aber ausgerechnet Klaus Brieglebs Erhellung des Antisemitismus der Gruppe 47 "Fragen unbeantwortet" gelassen haben soll, das ist mir sehr rätselhaft.
U. Siegmayer,
Pforzheim

Antisemitische Denkfiguren bei Walser wurden nicht übersehen, sondern nicht als solche gewertet. Man wollte es nicht wahrhaben. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Artikel Jurek Beckers in der "Zeit" vom 18.11.1988 ("Gedächtnis verloren - Verstand verloren") zu Walsers Essay "Über Deutschland reden". Becker kommentiert eine zentrale Passage in Walsers Text über die "deutsche Teilung" (in dem Walser schreibt: "Wenn die Rückfallgefahr ausgeschlossen ist - und wer das nicht sieht, der verneint schlicht unsere letzten 40 Jahre - dann gibt es nur noch ein Motiv für die Fortsetzung der Teilung: das Interesse des Auslands") folgendermaßen:
"Auch wenn ich noch nie bei den Versammlungen kleiner Rechtsparteien in einem dieser Hinterzimmer war: ich stelle mir vor, daß dort so geredet wird. Nach vierzig Jahren muß endlich Schluß sein! Wie lange will man uns noch büßen lassen für Geschichten, mit denen wir nichts zu tun haben? Wir brauchen neues deutsches Selbstbewußtsein, sonst werden wir vom Ausland ausgeplündert! Mit dem Diktat von Versailles war es ähnlich, das haben uns dieselben aufgezwungen, und so weiter"
um daran folgenden, Walser entlastenden, Satz anzufügen:
"Daß Walser kein Ohr dafür hat, wie "Interesse des Auslands" klingt!"
Obwohl Beckers gesamter Text eine scharfe Kritik an Walser ist, hält er ihm an dieser Stelle doch etwas zugute: Becker dachte, Walser wisse nicht um die Bedeutung oder habe kein Gespür für den "Klang" seiner Wortwahl. Becker wollte es nicht wahrhaben, daß Walser genau wußte, was er da schrieb. Noch an einer anderen Stelle wird dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen deutlich. Da schreibt Becker:
"Ich habe mich in Wut geschrieben und muß aufpassen, daß mir der Bremsweg nicht zu lang wird ... Nationalistisches Geschwafel wird ja nicht dadurch erträglicher, daß der Redner zuvor einige schöne Bücher geschrieben hat."
Und dann heißt es:
"Umgekehrt: Ich muß mich dagegen wehren, daß mir diese Bücher nicht plötzlich in einem neuen Licht erscheinen."
Michael Wißmiller,
Mindelheim

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36