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36 Jahre Konkret CD

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Heft 08 2010

an konkret

KNICK IN DER OPTIK

KONKRET 7/10: "Narrenschiffe" von Alex Feuerherdt

Kleiner Nachtrag aus der englischen Provinz: Wenn linke AntikriegsaktivistInnen eine Waffenfabrik zerlegen, müssen sie normalerweise mit längeren Gefängnisstrafen rechnen. Nicht so im Falle einer Handvoll AktivistInnen der "Smash EDO" Kampagne in Brighton, die soeben freigesprochen wurden, nicht, weil sie Anfang des Jahres eben nicht getan hätten, was der Kampagnentitel verheißt - nämlich dem örtlichen Waffenfabrikanten EDO ITT einen gehörigen Sachschaden zugefügt -, sondern weil sie eben dieses getan hatten. Die Angeklagten bekannten sich schuldig, beriefen sich jedoch auf einen Paragraphen des britischen Rechts, der es erlaubt, das Gesetz zu brechen, wenn dadurch ein schlimmerer Rechtsbruch verhindert werden kann. Dieser "schlimmere Rechtsbruch" war nun in diesem Fall nicht, wie man vermuten möchte, das Bauen von Bombenabwurfmechanismen durch EDO - es waren, der Argumentation zufolge, der die Jury sich anschloß, "israelische Kriegsverbrechen" in Gaza. Der angeblich liberale "Guardian" garnierte das Ganze dann noch mit einem Foto israelischer FußsoldatInnen, deren Ausrüstung garantiert nicht von EDO produziert wird - nachzulesen hier: http://www.guardian.co.uk/world/2010/jun/30/activists-arms-factory-acquitted. Damit wäre ja dann wieder alles klar im Königreich ... .
- "autognome", per E-Mail -

Großartiger Artikel, sowieso eines der besten Hefte seit langem. Nach dem "Friedensangriff" auf Gaza mußte ich meine zweijährige Mitgliedschaft innerhalb der Linkspartei in Deutschland beenden. Voran ging dem ein Mailwechsel mit dem Bezirk HH, der mich erstaunte. Hier in HH haben die Freunde Israels innerhalb der Partei Die Linke nichts verloren, bestenfalls überläßt man ihnen eine Spielecke, wo sie kein Aufsehen erregen. Ich hatte noch Hoffnung, auch nach dem Streitgespräch mit Fülberth in eurem Magazin über die verschiedenen Strömungen innerhalb der Partei, allein, es ist sinnlos. Es ist immer wieder erschütternd, mit welcher Selbstgefälligkeit sich die deutsche Linke anmaßt, den Israelis zu erklären, wie man sich auf diesem Planeten verhält. Die Gedenkveranstaltungen zelebriert man hier seit 65 Jahren, dann aber wird wieder Klartext geredet mit den Nachkommen der Überlebenden. Was jetzt folgt, ist die Erfüllung einer Prognose, ich glaube nämlich, daß die Probleme erst real werden, wenn Israel gezwungen sein wird, den Iran anzugreifen. Wenn ich dieses Thema im Freundeskreis diskutiere, ernte ich meistens Kopfschütteln oder Widerspruch. Erst mein sanfter Hinweis, daß ich als Enkelkind eines bestialischen Großvaters, der in WK 2 hemmungslos Mord und Totschlag angerichtet hat, besondere Verantwortung trage, läßt sie verstummen - aber mehr auch nicht.
- Felix Hildebrand, Hamburg -

SCHWARZWEISSBILD

KONKRET 7/10: "Euch werden wir helfen!" von Fritzi Busch

Es gibt einen Kontinent - viele Länder, wenig Durchblick, selbst für Schwarzseher - von dem gibt es ein "Afrikabild"; das ist "unser", dieses wird "seziert", sogar "gerade recht", von einem "bescheidene(n) Krachmacher und Aktionist(en)". Dieser appelliert: "Wir müssen unseren Blick auf Afrika ändern." Es geht also um Bilder, Blicke und um uns. Das ist so weit normal für Menschen. Warum aber Afrika? Weil es in bester Carl-Hagenbeck-Tradition um Körper, vorzugsweise männliche, geht, die "Körper seiner (!) schwarzen (!) Darsteller", beziehungsweise um unsere Angst vor dem "Recht auf Genuß und auf Verfall des eigenen Körpers". Aber nicht nur, sondern - siehe da! - auch um Köpfe. Denn vor dem Tappen in Körperfallen "rettet er sich, indem er seine (!) schwarzen (!) Darsteller Adorno zitieren läßt". "Mein Hund kann sprechen", meinte schon Loriot. Wie wäre es, zur Abschreckung mit Wissen zu arbeiten statt mit Anschauungen? Dafür hätte Schlingensief, zum Beispiel, nur einen angolanischen Öl-, einen tunesischen Tourismus-, eine/n kenianische/n Rosenarbeiter/in etc. einladen müssen. Diese hätten Auskunft geben können, wie hoch der (körperliche) Preis für billiges Benzin, all-inclusive-Schmarotzen und die Blume für's Geliebte ist; also über internationale ökonomische (!) Austauschverhältnisse. Was macht nun das "gerngesehene Opfer" in Afrika? Es will ein Operndorf bauen (lassen). Es gibt, ohne Bedingung, eine Million Euro; "800.000 fehlen mir noch", "dann schauen wir (!) zu, was die (!) damit machen" ("Capriccio", TV-Sendung des BR vom 1.7.10). Sein Geld, sein Afrika, sein Voyeurismus, seine Völkerkunde, Manaus für Arme und Beine. Im Schlepptau die Gutmenschen-Knallcharge Mankell (der im Juni 2009 in Berlin Horst Köhler "für das, was er in Afrika getan hat", dankte) und andere "Kulturschaffende" auf ihrer penetranten Suche nach jungfräulicher Brache, auf der mit weißem Geld (bestimmter Wert) Schwarzes (unbestimmter Wert) entstehen soll. Für den nötigen Medienhype inszeniert man sich als Suchender und Betroffener und läßt sich von Angie gern Kuchen auflegen. Warum das Ganze? Im "BR-online"-Text zur Sendung erfahren wir mehr: "Schlingensief stellt auch die Frage, warum der Weiße als Gutmensch nach Afrika gehen will? Eben weil er selbst Hilfe benötigt, nicht zuletzt darum, weil ihm die Spiritualität abhanden gekommen ist." Dem weißen Mann reichen die billigen Roh- und Menschenstoffe nicht, er will auch die Geister. Und so wird das "Projekt" gefördert, von: Kulturstiftung des Bundes, Auswärtiges Amt, Goethe-Institut. Also doch: Deutschland viel gut!
- Olaf Hartmann, Berlin -

HÜHNERAUGE, SEI WACHSAM

KONKRET 7/10: hier KONKRET; Interview mit Tilman Spengler

Der "duck test" geht bekanntlich so: "If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck, then it probably is a duck." Der Gauck-Test so: Wenn etwas wie ein NS-Relativierer aussieht, als NS-Relativierer dem revisionistischen Mainstream voranschwimmt, und dabei unentwegt wie ein NS-Relativierer quatscht, dann ist es vermutlich ein NS-Relativierer. Tilman Spengler quakt dagegen: "Aber ich halte das Zitat, dessen Zusammenhang ich nicht kenne, für einen Aufruf gegen eine Nostalgie gegenüber der DDR." Um Jack Nicholson aus dem Film "The Witches of Eastwick" zu zitieren: "Natürlich würde ich einen Schmuckreiher nicht mal erkennen, wenn ich auf einen pissen würde." Das geht Tilman Spengler bei Vögeln wie dem revisionistischen Schmierfink Gauck genauso.
- Thorsten Kraechan, per E-Mail -

INTRANSPARENT

KONKRET 7/10: "Im Spiegelkabinett" von Christiane Ketteler

An Absender zurück! Ich habe das hochwissenschaftlich klingende Wortgewimmel nur halb verstanden und schicke Ihnen diese Hälfte wieder zurück. Wir KONKRET-Leser aus den bildungsfernen Bevölkerungsschichten benötigen auch Atzung für unseren kritischen Geist. Daran sollten Sie bitte denken.
- E. Kobusch, Niederkassel -

Dem Brief beigelegt war die obere Hälfte von S. 55 des Hefts.
d. Red.

UNTER DER LUPE

KONKRET 7/10: "Bundestugendspiele" von Maike Landwehr

Die Autorin des Artikels belehrt uns, daß, wer der Prozentrechnung mächtig sei, den prozentualen Anteil mit Leichtigkeit bestimmen könne, den eine Sammelaktion in fünf deutschen Großstädten an den finanziellen Mitteln ausmache, die das BMZ jährlich an das Konsortium Ziviler Friedensdienst (ZFD) verteilt. Danach macht Landwehr selber eine Prozentrechnung auf und erklärt, daß die 30 Millionen Euro, die das ZFD jährlich vom BMZ erhalte, 0,005 Prozent von dessen Gesamtetat ausmachen würden. Der Gesamtetat des Ministeriums beliefe sich demnach auf 600 Milliarden Euro. Ist sie nicht unglaublich großzügig, die Bundesrepublik?
- Ralf Havertz, Daegu -

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36