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36 Jahre Konkret CD

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Heft 04 2009

an konkret

THEOLOGISCH

KONKRET 3/09: "Wir sind Papst" von Hermann L. Gremliza

Kein vernünftiger Mensch interessiert sich für den Papst. Solange wir nicht von Leuten wie Ihnen genötigt werden, uns mit dieser Figur zu befassen, sie überhaupt wahrzunehmen. Verlangen Sie bitte nicht das öffentliche Bekenntnis zur Entmündigung der Mehrheit, Sie selbst legen es auch nicht ab. Vertrauen Sie der Geschichte und sich. Wir sind auf dem richtigen Weg.
- Jan Kuhlmann, per E-Mail -

PHILOSEMITISCH

KONKRET 2/09: "Hamas' little helpers" von Hermann L. Gremliza

Am Ende seiner Kolumne meint Gremliza Sartre zu zitieren, wenn er schreibt, daß "der Antisemitismus ... den Tod der Juden" wolle. Gremliza fährt fort: "Und dennoch könnte man fragen, ob der israelischen Politik denn gar nichts einfällt, die Zahl ihrer Feinde in aller Welt zu reduzieren." Sartre hingegen schreibt: "Zerstörer aus Berufung, Sadist reinen Herzens, ist der Antisemit in der Tiefe seines Herzens ein Verbrecher. Was er wünscht, was er vorbereitet, ist der Tod des Juden." Mit der Hervorhebung will Sartre verdeutlichen, daß der Antisemit nicht einfach nur ein Vorurteil hat: Der Antisemitismus ist kein "psychosozialer Defekt" (Gremliza), sondern eine "Leidenschaft" (Sartre). Die Verleugnung dieser Erkenntnis legt nahe, daß Gremlizas Tirade gegen Hamas und ihre Sympathisanten in Deutschland nicht ernsthaft Kritik des Antisemitismus intendiert. Sein Interesse scheint vielmehr zu sein, sich gegenüber denen, deren allzu offensichtlicher Judenhaß den Ruf der Linken zu schädigen droht, als der bessere Linke zu profilieren. (Nicht umsonst wird unterschlagen, daß Paech in Hamburg eine Rede unter der Fahne der Hamas hielt, weil sich dann jedes weitere Wort erübrigte.) So macht er all jenen ein Entlastungsangebot, denen der Antisemitismus von links im Januar dann doch irgendwie unheimlich geworden ist, und zugleich wird den schwererziehbaren Rabauken erklärt, wie die Delegitimierung Israels einwandfrei links zu bewerkstelligen ist: indem man sich als Freund der Juden präsentiert. Wie wenig es um die Solidarität mit den Juden geht, wird offenbar, wenn Gremliza die Verantwortung zu ihrer und ihrer Feinde Rettung Israel aufbürdet: Israels Aufgabe soll es sein, "den Patienten ein besseres Leben diesseits von Allah und seinen Huris" zu verschaffen. Die Psychiatrisierung des antisemitischen Kollektivs impliziert dessen Verharmlosung und damit eine nonchalante Täter-Opfer-Umkehrung. Gerade wenn man die Illusion teilt, daß die bloße Verbesserung der Lebensbedingungen der Antisemiten den Antisemitismus eindämmen würde, muß man Gremlizas Ratschlag an die Juden als Abschied vom linken Universalismus verstehen: Sollen die Juden doch allein mit ihren Feinden fertig werden. Dagegen halte ich es mit Sartre: "Die Sache der Juden wäre halb gewonnen, wenn ihre Freunde zu ihrer Verteidigung auch nur etwas von der Leidenschaft und Ausdauer hätten, die ihre Feinde zu ihrem Verderben aufbringen."
- Tjark Kunstreich, Berlin -

MARKTWIRTSCHAFTLICH

KONKRET 3/09: "Schluß mit lustig!" von Fritz Tietz; Preiserhöhung

Und selbst wenn KONKRET irgendwann einmal nur noch aus dieser einen Seite bestünde, so wären auch 5,73 Euro - exorbitant untertrieben betont - ein maßvoller Preis. Nach wie vor die stärksten Beiträge, den kulturschaffenden Werktätigen im freien und unfreien deutschen Fernsehprogramm ins Maul und dem Rest aufs Hirn gespuckt, da capo!
- Holger Gabler, per E-Mail -

KÜNSTLERISCH

KONKRET 3/09: "Der Charakter der Epoche" von Rayk Wieland

Wunderbar, wie Rayk Wieland anhand eines typischen Wandbildes die DDR-Arbeitswelt und den "Charakter einer Epoche" des verordneten Aufbruchs schildert und ironisch, aber nie denunzierend analysiert. Schnell war mir klar, daß der Autor dabei augenzwinkernd die Methode von Peter Weiss anwendet. Dieses naive Bild an einer Kantinenwand, gemalt, wie wenn es in der Schreibwerkstatt des Bitterfelder Wegs konzipiert wurde, untersucht er mit höchster Akribie, wie es auch die jungen Sozialisten in Die Ästhetik des Widerstands z. B. mit dem Fries am Pergamon-Altar taten. Und richtig, am Ende des Auszugs legt Wieland eine unnötig auffällige Fährte zu seinem Mentor und vergleicht das Wandbild mit den berühmten Werken, die auch Weiss analysierte, also mit "Picassos ›Guernica‹, Menzels ›Eisenwalzwerk‹ und Delacroix' ›Floß der Medusa‹". Wie bitte, das "Floß" hatte doch Gericault gemalt! Wie konnte der Autor sich so vertun? Wie konnte der Lektor, wie die hochgebildete KONKRET-Redaktion beim Gegenlesen einen so offensichtlichen, schweren Lapsus übersehen? Doch dann sagte ich mir, wer Wieland heißt - ein geradezu verpflichtender Autorname -, wer so kenntnis- und anspielungsreich schreiben kann, hat sicher mit abderitenhafter Schläue eine Erbse unter die Matratze allzu bequemer Lektüre gelegt. Im Verlauf des Romans wird sich die dialektische Verknüpfung zwischen der mit der roten Flagge der Freiheit winkenden, halbnackten Schönen auf den Barrikaden, gemalt von Delacroix, und dem verzweifelt der winzigen Hoffnung am Horizont mit seinem roten zerrissenen Hemd zuwinkenden Schiffbrüchigen, gemalt von Gericault, enthüllen.
- Carl Gneist, Berod -

GELEGENTLICH

KONKRET 3/09: von KONKRET

Katja Leyrer legt Wert auf die Feststellung, daß sie seit März 1991 nicht nur gelegentlich Lebenszeichen an KONKRET sandte, sondern sogar Beiträge im Blatt veröffentlichte. In Heft 7/92 wurde bereits identisch in Auszügen aus meinem Brief aus 1991 zitiert. Damals einleitend mit den Worten "KONKRET oder Von der Gelassenheit der Langstreckenläufer". In der KONKRET-Broschüre zum Golfkrieg "Stellt Euch vor, KONKRET ruft zum imperialistischen Krieg gegen den Süden auf, und keiner geht hin" (1991) wurde ebenjener Brief vollständig als sogenannte Leserinnenreaktion abgedruckt. Damals war ich regelmäßige Schreiberin im Blatt. Der Titel jener "KONKRET-Dokumentation" ist meinem Brief vom März 1991 entnommen.
- Katja Leyrer, Dresden -

PHARMAZEUTISCH

KONKRET 3/09: Tomayers ehrliches Tagebuch

Ich möchte Ihnen von dem besprochenen Produkt zur libidinösen Erheiterung abraten. Bei Muskatnußextrakt handelt es sich um einen Wirkstoff, der nur in großen Mengen zu dem beabsichtigten Zweck bemerkbar wirksam ist, und da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird, ist keine längerfristige Einnahme ratsam, abgesehen davon, daß nach meiner Einschätzung die ganze Packung womöglich nicht ausreichen würde, um einen Effekt zu erzielen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Wirkstoff Yohimbin gemacht. Er wirkt 2 1/2 mal so stark anästhesierend wie Kokain, führt aber zu keinerlei Abhängigkeit. Er hat eine direkte Wirkung auf den Genitalbereich, und die von Ihnen beabsichtigte Wirkung tritt mit Sicherheit ein. Die Verkehrsform für den Arzneimittelbetrieb ist verschreibungspflichtig. Das Yohimbinpräparat, das ich nutze, ist Yohimbin SPIEGEL 5 mg. Es soll regelmäßig über einige Wochen eingenommen werden, jedoch stellt sich der Effekt ab einer Dosierung von 20-25 mg augenblicklich ein. Eine Nebenwirkung kann Euphorie sein, doch ab ca. 50 mg überwiegen Muskelzittern und Speichelfluß als eher unangenehme Nebenwirkungen. Mein Ratschlag wäre, sich Yohimbin vom Arzt verschreiben zu lassen und sich dann in der Apotheke die Rohform der Wurzel, aus der der der Wirkstoff gewonnen wird, zu bestellen (Yohimbe cortex). Eine Handvoll davon mit viel Vitamin C etwa eine halbe Stunde aufgekocht, wirkt durch die Wirkstoffvielfalt viel besser als das standardisierte Präparat.
- Frank Duhme, Kirchentellinsfurt -

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36